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"Zufriedenheit macht träge"

Das Transferfenster 2019 ist seit Montag geschlossen. Der Hallesche FC hatte bereits einen Monat zuvor seine Kaderplanung abgeschlossen. Zu Beginn der Länderspielpause steht Sportdirektor Ralf Heskamp Rede und Antwort.

Ralf Heskamp, bei vielen Vereinen der 3. Liga kam an den letzten Tagen der Transferperiode noch einmal mächtig Bewegung ins Aufgebot. War der HFC auch um weitere Verstärkungen bemüht?

Nein. Wir hatten bereits mit der Verpflichtung der Offensivspieler Felix Drinkuth und Terrence Boyd unseren Kader komplett, sowohl qualitativ als auch quantitativ. Das hatten wir auch so kommuniziert. Den längerfristigen Ausfall von Tobias Schilk können wir mit unseren vielseitig einsetzbaren Spielern auffangen, haben durchaus verschiedene Optionen für diese wichtige Position. Und weil sich in den ersten acht Pflichtspielen der Saison auch keine erkennbare Schwachstelle herauskristallisierte, hielten sich sogar Spekulationen und die üblichen Empfehlungen für denkbare Verstärkungen in Grenzen. (lacht)

Sind Sie zufrieden mit dem HFC-Kader 2019/20?

Absolut. Unser erklärtes Ziel war es, basierend auf dem eingespielten Korsett des Vorjahres punktuell und positionsspezifisch Jungs dazu zu holen, die uns besser und variabler machen. Der Konkurrenzkampf ist deutlich höher, die Breite im Aufgebot genügt hohen Ansprüchen. Allein ein Blick auf die Auswechselbank am vergangenen Sonnabend zeigt: Neben der richtig guten Anfangsformation nahmen dort mit Tom Müller, Toni Lindenhahn, Jan Washausen, Jonas Nietfeld, Dennis Mast, Niklas Kastenhofer und Antonios Papadopoulos sieben potentielle Drittliga-Startspieler Platz. Selbst der Weg von der Tribüne in die Startelf ist kurz, wie man im Saisonverlauf bereits gesehen hat. Wir können Impulse geben im Spielverlauf, notfalls die Richtung ändern und taktisch auf alle Eventualitäten reagieren. Das war genau die Situation, auf die wir hingearbeitet haben und die mit fortschreitender Saison enorm wichtig sein wird. Mit 24 Spielern im Profikader inklusive Torhüter bewegen wir uns zudem exakt in dem Rahmen, den wir als ideal für strukturierte Prozesse im Training erachten. Von diesen 24 Jungs kamen schon 21 zum Einsatz an den ersten sieben Spieltagen. Das ist bemerkenswert und unterstreicht, dass ausnahmslos jeder gebraucht wird und eine berechtigte Chance auf Wettkämpfe hat.

Der Hallesche FC belegt aktuell Rang zwei. Zeichnet sich nach sieben Spielen bereits ein Trend ab?

Ich denke schon. Die Teams mit dem besten Saisonstart stehen jedenfalls nicht zufällig oben und es sind die von vielen prognostizierten Favoriten wie Braunschweig, Ingolstadt, Duisburg und mit Mannheim das fast schon traditionelle Überraschungsteam. Dass wir zu dieser Phalanx gehören, ist für uns Bestätigung der Arbeit im gesamten Verein. Nach Platz vier im Vorjahr ist es nunmehr die große Herausforderung, die Leistung aus 2018/19 auf Strecke zu wiederholen oder gar zu verbessern. Das ist weitaus schwieriger als einen Ausrutscher nach oben zu bewerkstelligen, der unter glücklichen Umständen immer mal gelingen kann. Inzwischen gehören wir zu den Mitfavoriten, werden auch so wahrgenommen und „behandelt“. Die Mannschaft wird nicht mehr unterschätzt, innerhalb eines Jahres hat sich der Hallesche FC enormen Respekt verdient. Das ist einerseits schön, weil das genau unser Anspruch war und ist. Andererseits macht es unsere Arbeit nicht leichter. Wir brauchen Lösungen auch gegen tief stehende Teams und sind taktisch deutlich flexibler als im Vorjahr. Das freut mich ehrlich gesagt bisher am meisten.

Nahezu täglich ist momentan das Wort „Aufstieg“ zu hören oder zu lesen. Stimmen Sie in die Euphorie rund um den HFC ein?

Es ist nicht die Aufgabe der sportlichen Leitung, Euphorie zu befeuern oder einzubremsen. Uns geht es um sachliche Analyse, realistische Einschätzungen und pragmatische Denkweise. Natürlich freuen wir uns über den gelungenen Saisonstart, fünf Siege sind sicher kein Selbstläufer. Aber es ist eben nicht mal ein Fünftel der Spielzeit absolviert. Aus Erfahrung weiß ich: Zufriedenheit macht träge und unaufmerksam. Wir sind gut beraten, ungeachtet von äußeren Einflüssen die Konzentration extrem hoch zu halten, keinen Millimeter nachzulassen und Woche für Woche möglichst ans Limit zu kommen in allen relevanten Parametern. Wie eng alles beieinander ist in dieser Liga, haben wir am eigenen Leib zu spüren bekommen. Unsere beiden Niederlagen kassierten wir gegen Mannschaften, die aktuell im Tabellenkeller zu finden sind. Und da wir gegen die bisherigen Top-Teams noch keine direkten Duelle bestritten haben, sind wir gespannt auf die kommenden Aufgaben.

Um nochmal auf die Euphorie zurückzukommen: Wir nehmen selbstverständlich wahr, dass die Stimmung rund um den Verein hervorragend ist. Die Fans dürfen gern vom ganz großen Wurf träumen und die Sponsoren sind hoffentlich zufrieden damit, wie wir ihr hart erarbeitetes Geld investiert haben.  Aber trotz toller Stimmung am Sonnabend gegen Großaspach waren es weniger als 7000 Zuschauer. Nun liegt es an uns, mit konstant guten Leistungen noch mehr Leute dauerhaft ins Stadion zu locken.

Am Saisonende laufen etliche Verträge aus. Sowohl die des Trainerteams als auch die einiger Leistungsträger. Wann werden Verhandlungen aufgenommen?

Ich mag den Begriff Verhandlung nicht. Das klingt nach Parteien, die unterschiedliche Interessen haben und mit Macht auf einen gemeinsamen Nenner kommen wollen. Wir wollen keine mühsam ausgehandelten Kompromisse, sondern beiderseitiges Einvernehmen. Dazu führen wir Gespräche, die laufen bereits seit geraumer Zeit.  Der Vorstand ist jederzeit involviert. Die Zukunftsplanung beim HFC ist also ein fließender Prozess, der nicht an Tag X beginnt und irgendwann endet. Wir sind im stetigen Austausch, geben Spielern ein Feedback zu ihrer Entwicklung, zeigen Perspektiven auf, dokumentieren unsere Wertschätzung. Sämtliche Protagonisten wissen, woran sie sind. Über konkrete Zahlen und Details unterhalten wir uns, ohne dies öffentlich mit Terminierungen zu begleiten. Und wenn es etwas Konkretes zu vermelden gibt, dann tun wir das selbstverständlich wie gewohnt.