Hallescher FC hinterfragt Polizeieinsatz beim Auswärtsspiel bei Hertha Zehlendorf
Ungewohnt still und ohne Fahneneinsatz verfolgten die mitgereisten Fans des Halleschen FC das Punktspiel am Mittwochabend in Berlin. Hintergrund war ein Polizeieinsatz im Gästebereich, der aus Sicht des Vereins Fragen aufwirft.
Bereits zu Beginn der Partie agierten die eingesetzten Polizeikräfte nach Wahrnehmung vieler Beteiligter nicht deeskalierend. Trotz eines ausreichend großen Gästeblocks positionierten sich Beamte unmittelbar zwischen den HFC-Fans. In der Folge wurden einzelne Anhänger aus dem Gästebereich herausgezogen und unter Anwendung körperlichen Zwangs zu erkennungsdienstlichen Maßnahmen vom restlichen Publikum separiert.
Ohne die rechtliche Grundlage dieser Maßnahmen abschließend beurteilen zu können, stellt der Hallesche FC insbesondere die Art und Weise des Vorgehens infrage. Nach übereinstimmenden Schilderungen kam es zu unverhältnismäßigen körperlichen Einwirkungen wie Schubsen, Treten und Schlägen. Dabei wurden auch Personen gefährdet, die sich nicht aktiv an der Situation beteiligten. Besonders irritierend ist für den Verein, dass auch Fanbetreuer des Halleschen FC in das Vorgehen der Beamten einbezogen wurden, nachdem sie ihrer Aufgabe nachgingen, zu vermitteln und zu deeskalieren.
Der Hallesche FC hat die Vorkommnisse noch am Abend mit dem Polizeiführer und dem Einsatzleiter vor Ort thematisiert. Gleichwohl erwartet der Verein eine transparente Aufarbeitung der Ereignisse.
Nach Angaben der Polizei soll eine Beleidigung aus dem Gästeblock der Auslöser für das Einschreiten gewesen sein. Unabhängig davon steht aus Sicht des Halleschen FC die Verhältnismäßigkeit der eingesetzten Mittel in keinem angemessenen Verhältnis zur Situation. Die anwesenden Fans des HFC verhielten sich anschließend über den gesamten Zeitraum hinweg besonnen und ließen sich nicht zu weiteren Eskalationen hinreißen.
Im Verlauf des Einsatzes wurden vier Personen vorläufig festgenommen. Das Fanprojekt Halle begleitete die Betroffenen anschließend und nahm sie in der Nacht nach Abschluss der Maßnahmen wieder von der Wache in Empfang.
Im Rahmen seiner Verantwortung für Fans, Mitglieder und Mitarbeiter fordert der Hallesche FC eine kritische Prüfung des Einsatzes. Aus Sicht des Vereins wurde an diesem Abend die Gefährdung zahlreicher friedlicher Stadionbesucher billigend in Kauf genommen – ein Vorgehen, das mit verhältnismäßiger Polizeiarbeit sicher nicht vereinbar ist. Auch mit Blick auf das kommende Auswärtsspiel beim BFC Preußen blickt der Hallesche FC daher mit Sorge auf das Vorgehen der Berliner Polizei. Bereits in der vergangenen Saison kam es nach dem Spiel bei Viktoria Berlin zu ähnlichen Vorfällen.
Der Hallesche FC fordert daher ein Umdenken sowie konkrete Maßnahmen, um künftig eine besonnene und verhältnismäßige Einsatzführung zu gewährleisten.