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Bundesweite Mehrheit für das Kompassmodell: Vereine senden klares Signal für eine Reform der Regionalligen

 Bundesweite Mehrheit für das Kompassmodell: Vereine senden klares Signal für eine Reform der Regionalligen

Am Montagabend haben die Vereine aus allen fünf Regionalligen über die Zukunft des viertklassigen deutschen Fußballs abgestimmt. Im Mittelpunkt standen zwei Reformmodelle, die den Diskurs der vergangenen Monate geprägt hatten. Das Kompassmodell sieht vier Regionalligen vor, die anhand kurzer Fahrtstrecken und regionaler Derbystrukturen in Nord, West, Süd und Ost eingeteilt werden. Dem gegenüber stand das Regionenmodell, das ebenfalls vier Staffeln vorsieht, jedoch die bisherige Regionalliga Nordost aufteilen würde.
Das Votum fiel eindeutig aus: Eine deutliche Mehrheit der Vereine sprach sich für eine Reform des bisherigen Systems aus. Für das Kompassmodell votierte sogar die absolute Mehrheit aller teilnehmenden Clubs.

Drei Regionen stimmen für das Kompassmodell

Besonders deutlich fiel das Ergebnis in den einzelnen Regionen aus. Im Nordosten votierten 76,3 Prozent, im Norden 61,5 Prozent und im Westen 60,9 Prozent der Vereine für das Kompassmodell. Lediglich im Südwesten erhielt das Regionenmodell eine Mehrheit, während sich die Vereine in Bayern mehrheitlich für die Ausarbeitung weiterer Modelle aussprachen.
Auch das bundesweite Gesamtergebnis unterstreicht den Reformwillen der Clubs. 95,6 Prozent aller teilnehmenden Vereine stimmten grundsätzlich für eine Veränderung des bisherigen Regionalliga-Systems. Das Kompassmodell erhielt dabei 50,9 Prozent aller Stimmen und setzte sich damit deutlich vor dem Regionenmodell (23,3 Prozent) sowie dem Vorschlag zur Ausarbeitung weiterer Modelle (21,4 Prozent) durch. Für den Erhalt des bisherigen Systems votierten lediglich 4,4 Prozent der Vereine. Das klare Votum für das Kompass-Modell wird noch eindrucksvoller, wenn man sich die Umstände der Wahl vor Augen führt.

Kurzfristige Änderungen sorgten für heftige Diskussionen

Kurz vor der entscheidenden Abstimmung kam es noch einmal zu erheblichen Diskussionen. Die Regional- und Landesverbände legten den Vereinen kurzfristig eine veränderte Version der beiden bislang stets öffentlich diskutierten Modelle vor. Statt der ursprünglich vorgesehenen vier 20er-Staffeln sollte plötzlich mit 18 Mannschaften pro Liga geplant werden. Gleichzeitig sollte eine Reform nur umgesetzt werden können, wenn in allen Regionen eine Mehrheit erzielt wird. Auch die Wahlmöglichkeit „Erarbeitung weiterer Modelle“ war zuvor nicht besprochen wurden.

Diese kurzfristigen Änderungen stießen bundesweit auf deutliche Kritik. Die Initiative „Aufstiegsreform2025“ bemängelte insbesondere den späten Zeitpunkt der Kommunikation sowie die fehlende Transparenz des Entscheidungsprozesses. Auf der Versammlung machten zahlreiche Vereinsvertreter aus dem Profi- und Amateurfußball deutlich, dass aus ihrer Sicht nicht die Interessen der Vereine, sondern der Erhalt bestehender Verbandsstrukturen im Mittelpunkt gestanden habe.

Abstimmung über das ursprüngliche Kompassmodell

Nach deutlichem Widerstand zahlreicher Vereine und der Ankündigung einzelner Clubs, sich an einer Abstimmung über das abgeänderte Modell nicht zu beteiligen, lenkten die Verbände schließlich ein. Abgestimmt wurde letztlich über das ursprünglich entwickelte Kompassmodell mit vier 20er-Staffeln.

Mit dem bundesweiten Votum ist der Reformprozess allerdings noch nicht abgeschlossen. Nun liegt es an den zuständigen Gremien des Deutschen Fußball-Bundes, die Ergebnisse auszuwerten und über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Die Initiative „Aufstiegsreform2025“ fordert, dass das eindeutige Meinungsbild der Vereine nun die Grundlage für die weiteren Entscheidungen bildet.

„Die Vereine haben gesprochen“

Tommy Haeder, Geschäftsführer des Chemnitzer FC und Sprecher der Initiative „Aufstiegsreform2025“, ordnet das Ergebnis deutlich ein: „Die bundesweite Abstimmung hat ein klares Signal gesendet. Das bisherige Regionalliga-System hat keine Mehrheit mehr und die Vereine haben sich deutlich für Veränderungen ausgesprochen. Dass das Kompassmodell trotz der kurzfristigen Änderungen kurz vor der Abstimmung bundesweit die meisten Stimmen erhalten hat, zeigt, wie groß der Wunsch nach einer Reform ist. Besonders stolz macht mich der Zusammenhalt der Vereine unserer Initiative trotz aller Widerstände und über alle Regionen hinweg. Jetzt erwarten wir, dass dieses eindeutige Votum ernst genommen und der Reformprozess konsequent fortgeführt wird. Die Vereine haben gesprochen – nun ist der DFB am Zug.“

„Der Kampf geht weiter“

Auch Marcus Uhlig, Vorstandsvorsitzender des SC Rot-Weiß Oberhausen, sieht in der Abstimmung ein wichtiges Signal: „Unser Kampf für das Kompass-Modell in der Version mit 20 Mannschaften hat sich gelohnt, wir danken allen Vereins- und auch den Verbandsvertretern für eine konstruktive Veranstaltung mit einem am Ende bestmöglichen Ergebnis. Scheinbar gibt es aber keine Einstimmigkeit in allen fünf Regional-Verbänden, so dass wir jetzt abwarten müssen, wie es in der Lösung der größten Ungerechtigkeit im deutschen Fußball weitergeht. Die Westvereine haben in jedem Fall ihre Hausaufgaben gemacht, was uns extrem freut. Der Kampf geht weiter“.

„Der Verband hat die Argumente angenommen“

Florian Egbers, Geschäftsführer des SV Meppen, blickt über die eigene Spielklasse hinaus: „Auch im Norden sollte über eine Version des Kompassmodells mit 18er-Staffeln abgestimmt werden. Dass die Verbände nach dem deutlichen Widerstand der Vereine eingelenkt haben und schließlich das ursprünglich diskutierte Modell mit vier 20er-Staffeln zur Abstimmung gestellt wurde, war ein wichtiges Signal. Auch im Norden haben sich sowohl eine klare Mehrheit für Veränderungen als auch eine Mehrheit für das Kompassmodell ausgesprochen. Dass unser Verband die Argumente der Vereine aufgenommen und sich als Dienstleister der Clubs verstanden hat, verdient ausdrücklich Anerkennung. Der Weg ist allerdings noch nicht zu Ende. Nun müssen wir schauen, wie der DFB weiter vorgehen wird.“

Geschlossenheit über alle Spielklassen hinweg

Die Initiative „Aufstiegsreform2025“ bedankt sich ausdrücklich bei allen Vereinen, Verantwortlichen und Fans, die den Reformprozess in den vergangenen Monaten unterstützt haben. Über Regions- und Ligagrenzen hinweg ist eine außergewöhnliche Gemeinschaft entstanden, die sich gemeinsam für mehr sportliche Fairness im deutschen Fußball einsetzt.
Gleichzeitig machen wir deutlich, dass die Abstimmung keinen Schlusspunkt darstellt. Unabhängig davon, wie der weitere Entscheidungsprozess innerhalb des DFB verläuft, werden wir uns weiterhin mit Nachdruck für eine faire und nachhaltige Aufstiegsreform einsetzen. Der Zusammenhalt der vergangenen 18 Monate soll auch in den kommenden Wochen und Monaten bestehen bleiben. Denn das gemeinsame Ziel bleibt unverändert: Alle Regionalligameister sollen künftig direkt aufsteigen können. Bis dieses Ziel erreicht ist, werden wir den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen.

Für die Interessen aller Clubs. Für Gerechtigkeit im Fußball.