Profimannschaft
01.01.2019

WOHLFÜHLFAKTOR HALLE

Michael Hiemisch gefällt es richtig gut in Halle. Der Co-Trainer des HFC verbrachte sogar die Weihnachtsfeiertage samt Frau und Kind an der Saale, ein gutes Stück von der vogtländischen Heimat entfernt.

„Wir haben relativ wenig Zeit für uns. Zu Hause wären wir von einem Essenstisch zum nächsten gehetzt, deshalb sind wir nach dem letzten Spiel des Jahres hier geblieben und haben Heiligabend in der Silberhöhe verbracht“, schmunzelt Michael Hiemisch. Er fühlt sich eben wohl in Halle, seit seinem Amtsantritt im Juni 2018 ist das so.

Für das Heimspiel des HFC gegen den FSV Zwickau gab es ein gutes Omen für den 48-Jährigen. Der Co-Trainer kam am Sonntag, 10. Mai 1970, in Plauen im Vogtland zur Welt. Tags zuvor hatte der Hallesche FC den Oberliga-Gast von der BSG Sachsenring Zwickau mit 4:0 nach Hause geschickt. 16.000 Fans im Kurt-Wabbel-Stadion erlebten, wie die Westsachen mit Jürgen Croy im Tor und Zwickaus Fußball-Urgestein Alois Glaubitz vom Team der Gastgeber regelrecht gedemütigt wurden. HFC-Keeper Helmut Brade feierte dabei ein gelungenes Debüt in der DDR-Oberliga. Schiedsrichter der Partie war übrigens der Leipziger Rudi Glöckner, der sechs Wochen später das Finale der Weltmeisterschaft in Mexiko  geleitet hat, das Brasilien mit 4:1 gegen Italien für sich entschied.

„Da muss ich wohl nochmal meine Mutter fragen“, entgegnet Michael Hiemisch grinsend, als er im Gespräch mit Wolfram Bahn vom „Chemiker“ mit diesen damaligen Ereignissen  konfrontiert wird. Der Trainer kann mit Vorahnungen nichts anfangen. Er besitzt auch keinen Talisman oder verrichtet gar vor jeder Begegnung ein bestimmtes Ritual. Er hält sich lieber an das, war er wirklich selber bewegen und beeinflussen kann. Und da hatte der bodenständige Vogtländer durchaus noch eine Rechnung mit dem FSV Zwickau offen. In den dreieinhalb Jahren, in denen er den VfB Auerbach in der Regionalliga trainiert hatte, gelang ihm nie ein Derby-Sieg gegen die Elf aus der Geburtsstadt des „Trabant“. Aber zwei Remis stehen zu Buche. Schon zuvor als Trainer des VFC Plauen war es ihm nicht vergönnt, Zwickau zu bezwingen. Und zum Saisonauftakt an der Seite von HFC-Chefcoach Torsten Ziegner gab es bekanntlich eine Niederlage, bevor das rot-weiße Team durchstartete in der Liga. Umso mehr freute es den fußballbesessenen Micha Hiemisch, dass es nun geklappt hat mit einem Dreier gegen „Zwicke“ im letzten Spiel 2018.

Im Vergleich zu seinem ersten Punktspiel als Co-Trainer  im Sommer 2018 kommt der HFC ganz anders daher. „Das zeigt, welche Entwicklung die Mannschaft seither genommen hat“, will der Plauener gar nicht erst tiefstapeln. Dennoch gehört er wie Ziegner, der den Kontrahenten vor seinem Wechsel an die Saale unter seinen Fittichen hatte,  zu denen, die immer wieder auf die Bremse treten, wenn jemand aus dem Team „abheben“ will. „Gegen Zwickau war es wieder eine große  Herausforderung“, blickt Hiemisch zurück. Das liegt auch daran, dass beide Vereine das in die Waagschale werfen, was  Halles Trainer-Duo als Basis bezeichnet: Laufbereitschaft, Zweikampfhärte und Siegeswille bis zur letzten Minute. „Auch wenn es mal nicht reichen sollte, so müssen die Zuschauer mit dem Gefühl nach Hause gehen, dass die Mannschaft alles gegeben hat“, umschreibt der Co-Trainer das Credo seiner Arbeit.  Beim HFC gesellt sich inzwischen das spielerische Moment hinzu. „Entscheidend ist immer, wieviel wir davon auf den Platz bringen können“, fügt er an.

In seiner Jugendzeit hat Michael Hiemisch viele Sportarten betrieben. Beispielsweise Tischtennis, Leichtathletik und sogar Gewichtheben. Als Fußballer jagte er mit Dynamo Plauen und später in Rodewisch dem Ball hinterher. Erfolgreicher verlief seine Laufbahn als Trainer. Im Vogtland hat er sich von „Dorfvereinen“ wie Oelsnitz und Treuen bis in die Regionalliga hochgearbeitet, ehe ihn Torsten Ziegner nach Halle lockte. Die beiden Trainerkollegen hatten sich schon 2015 in einem Trainingslager näher kennengelernt, als Michael Hiemisch hospitierte. „Da haben wir gemerkt, es passt zwischen uns“, so der Vogtländer. Er musste daher nicht lange überlegen, als der Ruf zum Drittligisten nach Halle kam. Ihn stört auch nicht, dass Ziegner sein Vorgesetzter ist, er selbst vom Chef- zum Co-Trainer wurde. „Wie in einer Band muss einer als Sänger vorne stehen. Doch es kommt nur gute Musik raus, wenn alle ihre Instrumente beherrschen und das Zusammenspiel klappt“, lautet seine Philosophie.

Das Trainer-Duo geht respektvoll miteinander um. „Wir beratschlagen uns auf Augenhöhe, ich bringe dabei meine Sichtweisen und Anregungen ein“, erzählt Hiemisch. Immer wieder versucht das Trainerteam, gemeinsam Lösungen zu finden, wie man die Kontrahenten bezwingen kann. „Wir lernen ja auch selbst mit jedem Spieltag hinzu“, bekennt der Co-Trainer und bezieht auch Torwarttrainer Marian Unger und Sportdirektor Ralf Heskamp in die „hervorragende Zusammenarbeit“ mit ein, in der jeder seine Fähigkeiten einbringen und ausleben darf und soll. „Es macht einfach unglaublich viel Spaß“, bringt es Michael Hiemisch auf den Punkt.

Das Gespann lebt den Teamgeist vor, den mittlerweile die ganze Mannschaft erfasst hat. Trainer und Co ergänzen sich auch vom Wesen her. Während Ziegner schon mal die Hutschnur hochgehen kann, ist sein Kompagnon eher der zurückhaltende Typ, den nichts so schnell aus der Ruhe bringt. Michael Hiemisch, der auf der Silberhöhe in Halle Quartier bezogen hat, ist bescheiden. Er tritt völlig unprätentiös auf. Wichtigtuer mag er nicht. Aus dem Elternhaus hat er das so mitbekommen. Und auch Zuhause in Plauen bei seiner Lebensgefährtin und den Kindern kennt man ihn nicht anders. „Im Vogtland sind die Leute immer auf dem Teppich geblieben“, weiß er aus seinem eigenen Leben. Auch die Fußballvereine aus dieser Region müssen seit jeher versuchen, aus den gegebenen Möglichkeiten, die nicht gerade üppig sind, das Optimale herauszuholen. „Das zeichnet auch den HFC aus, wobei die Struktur des Vereins sehr viel weiter ist“, sagt Hiemisch. Er kann das inzwischen gut einschätzen.

Zum Glück hat er an der Saale auch in anderer Hinsicht ein Stück Heimat wiedergefunden. Zu den Hauptsponsoren des Drittligisten gehört die Wernesgrüner Brauerei - und die kommt bekanntlich aus dem Vogtland. Als es also endlich klappte mit einem Sieg für den Co-Trainer des Halleschen FC gegen Zwickau, konnte er gleich mit dem Bier des Exklusivpartners anstoßen. Auch an Weihnachten mit Familie in Halle.

Von: WB / LT

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8. TSV 1860 München 29 41:33 40
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12. Preußen Münster 29 34:36 38
13. Sportfreunde Lotte 29 27:31 36
14. S.C. Fortuna Köln 29 29:46 35
15. FSV Zwickau 29 32:33 34
16. Eintracht Braunschweig 29 34:45 32
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18. FC Energie Cottbus 28 35:45 30
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