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05.02.2019

DER 14. PRÄSIDENT

In der Besetzung des Vorstands spiegelt sich auch die wechselvolle Geschichte des Halleschen FC wider. Jens Rauschenbach ist der 14. Präsident des Vereins.

Das Votum war überzeugend: Mit fast 90 Prozent der Stimmen wurde Jens Rauschenbach am 3. Februar 2019 von der Mitgliederversammlung zum neuen HFC-Präsidenten gewählt. Der 49 Jahre alte Wirtschaftsprüfer und Projektmanager ist damit der 14. Vorstandschef in der bewegten Geschichte des halleschen Fußballvereins. Der aus Altenburg stammende Rauschenbach tritt die Nachfolge von Dr. Michael Schädlich an, der im Dezember sein Amt zur Verfügung gestellt hatte. Er stand 16 Jahre lang an der Spitze des Traditionsvereins - solange wie bisher kein HFC-Präsident. In seine Amtszeit fällt unter anderem der Neubau des ERDGAS Sportparks im Jahr 2011 und  der Aufstieg der Rot-Weißen in die dritte Profiliga im Frühjahr 2012.

Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler hatte im Sommer 2002 das Ruder übernommen, nachdem beim Verein eine Führungskrise ausgebrochen war. Ausgelöst wurde sie durch den plötzlichen Rückzug von Klaus Stroisch, damals zugleich Ehrenpräsidenten der Handwerkskammer Halle. Der Kfz-Meister im Ruhestand hatte nach nur 38 Tagen das Handtuch geworfen, als er angesichts der hohen Schuldenlast keinen Ausweg mehr für den Verein sah. Es war die kürzeste Amtszeit eines HFC-Präsidenten. Stroisch hatte sich „breitschlagen“ lassen, das Amt zu übernehmen, nachdem Hans-Dieter Walter nicht weitermachen wollte. Der einstige Handballer aus dem Ruhrpott und Dezernent im Rathaus wurde im Oktober 1999 zum Präsidenten gewählt. Unter seiner Federführung sollte die vom Vorstand und Wirtschaftsbeirat angestrebte Fusion des Halleschen FC mit dem Ortsrivalen vom VfL vollzogen werden. Das Vorhaben scheiterte jedoch am Widerstand der Mitglieder auf beiden Seiten. Vom November 2001 bis Mai 2002 führte ein Dreier-Vorstand ohne Präsident die Geschäfte des Vereins.

Solche jähen Wendungen lagen außerhalb der Vorstellungswelt der Fans, als der Klub am 26. Januar 1966 im gerade fertiggestellten Interhotel „Stadt Halle“ (heute „Maritim“) aus der Taufe gehoben wurde. Zum ersten Präsidenten des HFC Chemie wurde Dr. Wolfgang Nette berufen. Er war der Generaldirektor des VEB Elektrochemie & Plaste aus Buna, dem Trägerbetrieb des Klubs. Ihm folgte mit Dr. Asmus Eggert ein weiterer Wirtschaftsboss der DDR. Diese Ära ging 1970 zu Ende. Dann übernahm der damalige 1. Klubsekretär Hans Schmidt die Verantwortung. Der vormalige Chef des Dessauer Kreissportbundes musste jedoch 1973 nach dem Abstieg des HFC aus der DDR-Oberliga seinen Hut nehmen. Auf seinen Platz beorderten die SED-Machthaber im Bezirk Halle danach mit Karl-Heinz Lehmann einen Journalisten der Parteizeitung „Freiheit“. Der Sportchef des Blattes galt als heftiger Kritiker der damaligen Klubführung und sollte nun beweisen, dass er es besser kann. Als der HFC drei Jahre später den Abstiegsrängen immer näher kam, zogen die SED-Oberen die Reißleine. Am 30. Januar 1977 kam das Aus für Lehmann.

Quasi über Nacht wurde mit Richard Stoy ein erfahrener Sportfunktionär als neuer HFC-Präsident installiert. Der gelernte Signal- und Sicherungstechniker bei der Reichsbahn gehörte zum Organisationsbüro der Box-Europameisterschaften im gleichen Jahr in Halle. Sechs Jahre und drei Monate lang leitete der gebürtige Greifswalder den halleschen Klub. Unter seiner Ägide verpassten die Rot-Weißen mehrmals nur knapp die Qualifikation für den Europa-Cup. Als der  ruhig und bedächtig auftretende Stoy nach Saisonende 1982/83 seine „Papiere“ bekam, tummelte sich der Klub wieder einmal in der unteren Tabellenregion der Oberliga - so wie bei seinem Amtsantritt im Februar 1977.  Sein Nachfolger wurde der langjährige HFC-Kapitän Bernd Bransch, Rekord-Nationalspieler des Vereins, Olympiasieger 1976 und WM-Teilnehmer von 1974.

In seiner Amtszeit durchlebten die Fans ein Wechselbad der Gefühle. Nach dem erneuten Abstieg 1984 dauerte es drei Jahre, ehe der Klub wieder Oberliga-Luft schnupperte. Im November 1990 löste der Bauingenieur Jochen Büttner die HFC-Ikone als Präsident ab. Der HFC legte zu jener Zeit den Beinamen „Chemie“ ab. Bransch wurde Sportdirektor. Und 1991 gelang der vielumjubelte Aufstieg in die 2. Bundesliga. Doch schnell wich die Euphorie einer Ernüchterung: Schon nach einer Saison war das Intermezzo Profifußball wieder vorbei. Büttner, der den Verein bis heute unterstützt, zog sich im Oktober 1992 zurück. In seine Fußtapfen trat Dr. Ulrich Holesovsky, der zugleich Vorstandsvorsitzender vom damaligen Hauptsponsor UTAG AG war.

Es begannen turbulente Zeiten beim HFC, der damals nur 124 Mitglieder zählte. Mit der verpassten Qualifikation für die neue Regionalliga nahm das Unheil seinen Lauf. Der Verein musste einen beispiellosen personellen Aderlass verkraften. Der Abstieg in die Verbandsliga war nicht aufzuhalten. Der Vorstand verfiel in Aktionismus, um den drohenden Konkurs abzuwenden. Eine Krankenkasse organisierte sogar einen Benefizball, bei dem Eislauf-Ikone Kati Witt, Trainer-Urgestein Max Merkel und auch Pornostar Teresa Orlowski „aufliefen“. Es nützte alles nichts: Der Schuldenberg wuchs auf rund 1,2 Millionen D-Mark an. Auf einer Krisensitzung wurde Holesovsky abgewählt. Bis zum Sommer 1995 führte der Krankenkassen-Manager Olaf Piepgras den Verein. Dann stellte sich der hallesche Antennenbauer Andreas Muth zur Verfügung. Er versuchte, erst einmal Ordnung in die Finanzen zu bringen. Eine Mammutaufgabe, die seine Kräfte überstieg. Vier Jahre später, als der HFC sportlich langsam wieder Morgenluft witterte,  gab Muth das Amt des HFC-Präsidenten ab. In den Startlöchern standen schon Hans-Dieter Walter  und eine Gruppe langjähriger HFC-Unterstützer, darunter Dr. Michael Schädlich, der zunächst Vizepräsident wurde. Sie legten ein Positionspapier vor, um den Traditionsverein aus der Talsohle zu führen.  

Sportlich und finanziell ging es danach allmählich wieder aufwärts. Bis zur dritten Profiliga. Als Anfang 2018 Liquiditätsprobleme auftauchten, wurden mit Dr. Jürgen Fox, Jens Rauschenbach und Prof. Lucas F. Flöther drei Wirtschaftsexperten in den Vorstand kooptiert. Gemeinsam mit Sponsoren, Fans und kommunalen Unternehmen konnte der Verein getreu dem Motto „Nur zusammen“ die temporäre Lücke schließen. Die Abstimmung bei der  Mitgliederversammlung 2019 wurde zum Vertrauensbeweis für den neuen Vorstand. Als 14. Präsident haben Jens Rauschenbach und seine vier gewählten Mitstreiter das erklärte Ziel, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und den HFC kontinuierlich zu entwickeln.


Übersicht aller HFC-Präsidenten:

1966-1968: Dr. Wolfgang Nette
1968-1970: Dr. Asmus Eggert
1970-1973: Hans Schmidt
1973-1977: Karl-Heinz Lehmann
1977-1983: Richard Stoy
1983-1990: Bernd Bransch
1990-1992: Jochen Büttner
1992-1994: Dr. Ulrich Holesovsky
1995: Olaf Piepgras
1995-1999: Andreas Muth
1999-2001: Hans-Dieter Walter
24.5.- 30.6.2002: Klaus Stroisch
2002-2018: Dr. Michael Schädlich
Seit 03.02. 2019: Jens Rauschenbach

Von: WB

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