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07.12.2018

VOM VORREITER ZUM DRITTLIGISTEN

Der Braunschweiger Turn- und Sportverein Eintracht von 1895 e.V. (BTSV), besser bekannt als Eintracht Braunschweig, war Gründungsmitglied der Fußball Bundesliga 1963 und Deutscher Fußballmeister 1967, aber auch Gründungsmitglied der 3. Liga 2008.

Aufgrund sportlicher und wirtschaftlicher Faktoren erhielt Eintracht Braunschweig 1963 einen Platz in der neuen Bundesliga und zählt somit zu den 16 Gründungsmitgliedern. Das erste Auswärtsspiel fand bei 1860 München statt, das erste Heimspiel gegen Preußen Münster, Duelle, die es in dieser Saison auch in der 3. Liga gibt.

1967 wurde die Eintracht unter Trainerlegende Helmuth Johannsen deutscher Fußballmeister, vor 1860 München. Sie kassierte insgesamt nur 27 Gegentore und stellte damit einen Bundesliga-Rekord auf, der erst 1988 von Werder Bremen unter Otto Rehhagel unterboten wurde. Im Europapokal der Landesmeister 1967/68 kam die Eintracht bis ins Viertelfinale. Dort fand nach den Spielen gegen Juventus Turin (Hinspiel 3:2, Rückspiel 0:1) ein Entscheidungsspiel auf neutralem Platz in Bern statt, das man 0:1 verlor.

Eintracht Braunschweig griff die von Wormatia Worms bereits Jahre vorher ins Leben gerufene Idee der Trikotwerbung, die der DFB dann verboten hatte, 1973 wieder auf und spielte von Jägermeister gesponsert mit Trikotwerbung in der Bundesliga. Allerdings bediente man sich dabei eines Tricks, um das Verbot zu umgehen, man machte das Jägermeister-Firmenlogo zum Vereinswappen und konnte so „legal“ werben. Dies war zugleich der erste große Auftritt von Günter Mast. Der Wolfenbütteler Kräuterlikörfabrikant war von 1972 bis 1987 Sponsor und von 1983 bis 1986 Präsident des BTSV. Sein publikumswirksamer Dauerstreit mit dem DFB, er wollte ursprünglich die Mannschaft in „Jägermeister Braunschweig“ umbenennen, verschaffte seinen Produkten werbewirksam Schlagzeilen.

Nach dem ersten Abstieg aus der Bundesliga folgte 1974 der sofortige Wiederaufstieg. Bis 1977 war die Mannschaft unter Trainer Branko Zebec wieder sehr  erfolgreich, spielte in der Spitzengruppe der Bundesliga und auch im UEFA-Pokal mit. Nach 1977 folgten wechselvolle Jahre mit Auf- und Abstiegen, gepaart mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, auch weil die Renovierung des Stadions und der Neubau der Haupttribüne hohe Schulden verursachten. Trotz der Verpflichtung der Nationalspieler Paul Breitner (1977) und Ronnie Worm (1979) stieg die Eintracht 1980 das zweite Mal ab, 1981 gelang der sofortige Wiederaufstieg.

In der Saison 1984/85 stieg der Verein erneut in die 2. Bundesliga ab, 1986/87 folgte der Abstieg in die Drittklassigkeit. 1988 kam es zum sofortigen Wiederaufstieg. Danach konnte die Eintracht sich bis 1993 in der 2. Bundesliga halten, bevor sie erneut abstieg. Es folgten neun Jahre in der Oberliga Nord bzw. der Regionalliga Nord, erst 2002 gelang der Wiederaufstieg. Nach abermaligem Abstieg und Wiederaufstieg folgte 2007 der wiederholte Abstieg in die Regionalliga. Am Ende der Saison 2007/08 wurde der damalige A-Jugendtrainer und ehemalige Eintracht-Spieler Torsten Lieberknecht zum Cheftrainer befördert, was er 10 Jahre lang bleiben sollte. Ihm gelang mit der Eintracht 2008 grade so als 10. die Qualifikation für die neu gegründete 3. Liga.

Unter dem neuen Sportlichen Leiter Marc Arnold, der diesen Posten ebenfalls 10 Jahre lang bekleiden sollte, kam es zu einer Neuausrichtung der Vereinspolitik. Eintracht Braunschweig setzte nun auf personelle Kontinuität und einen Konsolidierungs- und Sparkurs. Im Zuge dessen ging der Verein vermehrt dazu über, talentierte junge Spieler aus unteren Ligen zu verpflichten, so beispielsweise den 22-jährigen Mirko Boland. 2011 erfolgte der Aufstieg in die 2. Bundesliga, 2013 kehrte die Eintracht nach 28 Jahren in die Bundesliga zurück, aus der man allerdings sofort wieder abstieg, wenn auch schuldenfrei.

In der Saison 2016/17 stand die Eintracht lange auf einem direkten Aufstiegsplatz, ehe sie nach einem 0:6 als Tabellenzweiter am vorletzten Spieltag bei Arminia Bielefeld diesen verspielte und als Dritter dann in der Relegation durch zwei 0:1-Niederlagen am VFL Wolfsburg scheiterte. Im Nachhinein betrachtet leitete dieses 0:6 den sportlichen Niedergang der Eintracht ein. In der Saison 2017/18 rutschten die Braunschweiger am vorletzten Spieltag erstmals auf den Relegationsplatz 16. Am letzten Spieltag kassierten sie eine 2:6-Niederlage bei Holstein Kiel, fielen zum ersten Mal in der Saison auf den vorletzten Platz und stiegen damit insgesamt eher unerwartet in die 3. Liga ab. Zwei Tage nach dem Abstieg trennte sich der Verein von Chef-Trainer Torsten Lieberknecht. Neuer Trainer der Eintracht wurde der Däne Henrik Pedersen.

Anfang der Saison 2018/19 setzte sich der freie Fall fort, Eintracht Braunschweig stand bereits nach drei Spieltagen sieglos auf einem Abstiegsplatz in der 3. Liga. Im Management setzte sich währenddessen der Umbruch fort, Sportchef Marc Arnold wurde nach 10 Jahren im Amt Ende August 2018 freigestellt. Am 9. Oktober 2018 wurde Henrik Pedersen beurlaubt und durch André Schubert ersetzt.

Die Gründe für den Absturz sind vielfältig. Während der 1. FC Kaiserslautern frühzeitig für die 3. Liga planen konnte, erwischte es Eintracht Braunschweig unvermittelt am allerletzten Spieltag. Das beeinflusste die Planungen sichtlich, denn es dauerte Wochen, bis die ersten Transfers vermeldet wurden. Onur Bulut, Philipp Hofmann und Frederik Tingager sind die bekanntesten Akteure, die der Eintracht die Treue hielten. Fast alle anderen Spieler zogen weiter oder wurden aussortiert, darunter Spieler mit Legendenstatus wie Mirko Boland und Ken Reichel. Die Neuen kamen aus der Viertklassigkeit, aus Dänemark, Norwegen und Ungarn. Einzig Mittelfeldspieler Stephan Fürstner, zuletzt Union Berlin, und der vereinslose Torwart Lukas Kruse sind wirklich wichtige Neuzugänge.
Die Lage der Eintracht könnte ernster kaum sein. Tabellenletzter, erst ein Spiel (daheim gegen Jena) konnte gewonnen werden, der Abstand zum rettenden Ufer ist trotz Trainerwechsels größer geworden (nunmehr 8 Punkte), bei den Fans herrscht Untergangsstimmung. Auch gegen Aalen konnte am vergangenen Wochenende beim 2:2 nicht gewonnen werden.   

Der HFC hat erst einmal gegen die Braunschweiger Eintracht gespielt. Am 8.8.2015 unterlag er in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals vor 9.549 Zuschauern daheim unglücklich mit 0:1.

Von: TD

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