Faninformation
07.08.2018

40 PORTRÄTS IN EINEM BUCH

Der frühere MZ-Chefredakteur Hans-Jürgen Greye verfolgt als Fan und Journalist seit über 40 Jahren das Schicksal des Halleschen Fußballclubs. Jetzt hat er ein Buch geschrieben mit 40 Geschichten über Menschen, die sich mit dem Traditionsverein verbunden fühlen oder fühlten.

Das tragische Ereignis, das das Leben von Werner Peter völlig veränderte, liegt inzwischen 50 Jahre zurück. Der einstige Stürmerstar des Halleschen FC, der schon mit zehn Jahren seinen Vater verloren hatte,  kickte damals noch in der Bezirksliga bei Chemie Bitterfeld.  Am 11. Juli 1968 kam es im dort ansässigen Elektrochemischen Kombinat zum schwersten Industrieunglück in der Geschichte der DDR. Eine gewaltige Explosion legte große Teile des Betriebs in Schutt und Asche. 42 Menschen starben.  Auch die Mutter der späteren halleschen Fußball-Ikone  befand sich unter den Opfern. Werner Peter erinnert sich noch genau an diese Katastrophe. „Gegen 14 Uhr begann unser Training. Kurz danach ging die Anlage hoch. Vom Sportplatz aus sah ich die Rauchwolken und wusste noch nicht, dass ich Vollwaise war.“

 So schildert der heute 68-jährige frühere Stürmer des HFC seine Eindrücke von diesem Schicksalstag. Erzählt hat er das und noch vieles mehr aus seinem bewegten Fußballerleben dem Journalisten Hans-Jürgen Greye. Und der Chefredakteur der Mitteldeutschen Zeitung im Ruhestand hat diese und 39 weitere spannende Geschichten in einem Buch niedergeschrieben, das gerade im Mitteldeutschen Verlag erschienen ist. Es trägt den Titel „Rot wie Blut, weiß wie Schnee …“ und handelt von Menschen, die sich mit dem HFC auf irgendeine Weise verbunden fühlen. Und da durfte natürlich Werner Peter, der zum 50-jährigen Bestehen des Klubs im Jahre 2016 in die Top-Elf des Vereins gewählt wurde, nicht fehlen.

 „Die Begegnung mit ihm hat mich beeindruckt“, bekennt Greye. Nicht nur wegen der 87 Tore, die der „Bomber des Vereins“ zwischen 1970 und 1984 für die Rot-Weißen erzielt hat. Es war auch seine offene, herzliche und bodenständige Art, die den Journalisten im Gedächtnis haften geblieben ist. Das trifft auch auf Dagmar Schultze, die „gute Seele des Vereins“, oder den einstigen Wirtschaftsboss Wilfried Klose, den „Retter vor der Insolvenz“, zu. Überhaupt: Alle, mit denen Hans-Jürgen Greye gesprochen hat, hängen irgendwie am HFC. Bei Edelfans wie Bertram Menz oder dem einstigen Mannschaftsleiter Norbert Ciornei, den Fußball-Legenden Bernd Bransch, Klaus Urbanczyk, Hartmut Meinert, Wolfgang Schmidt, Jens Adler und Darius Wosz liegt das nahe. Aber auch der frühere Stadionsprecher Uli Kliem oder Peter Liewald, der einstige Betreiber des HFC-Casinos am Boulevard, verfolgen immer noch, was beim HFC passiert.

  Selbst die Torwart-Ikone Darko Horvat, der jetzt in Kroatien lebt, oder Norbert Nachtweih, der 1977 in den Westen geflüchtet ist und heute bei Frankfurt am Main einen Fußballschule betreibt, haben den halleschen Verein nie aus den Augen verloren. „Irgendwie sind die HFC-Getreuen wie eine große Familie“, hatte ihm Roland Hebestreit, der jahrelang den „Chemiker“ herausgab, mit auf den Weg gegeben. Im Februar 2017 erlag der Chronist des HFC überraschend einem Herzinfarkt. „Auch ein Grund, warum sich die Fertigstellung des Buches verzögert hat, denn von ihm wollte ich etliche Bilder verwenden“, so Greye, der selbst fleißig den „Chemiker“ sammelt. In seinem Buch widmet er ein Kapitel dem unermüdlichen HFC-Reporter, der bei Wind und Wetter alle Spiele des Klubs verfolgte und vier Kompendien mit Statistiken hinterlassen hat.

 Hans-Jürgen Greye, der im Mai 1954 geboren ist,  hat vor 40 Jahren seine Liebe zu den Rot-Weißen entdeckt. Damals verschlug es ihn nach dem Studium in die Saalestadt. Seither holt er sich vor jeder Saison eine Dauerkarte. Im Block 14 auf der Papenburg-Tribüne hat er inzwischen seinen Stammplatz. In all dieser Zeit hat er das Auf und Ab des Vereins miterlebt. In den Jahren 2005 bis 2014, als er Chefredakteur der MZ war und gute Kontakte zum Wirtschaftsbeirat hatte, konnte der HFC-Anhänger auch einen Eindruck von der oft schwierigen finanziellen Lage des Klubs gewinnen. Umso mehr zollt er jener Mannschaft seinen Respekt, die Mitte der 1990er Jahre in der Verbandsliga das sportliche Überleben des HFC gesichert hat. „Das waren ja alles noch junge Kerle wie Rüdiger, Steffen, Kirst und Bartel, die die Talfahrt des Klubs stoppen konnten “, hat er auch den Tiefpunkt in der Geschichte des halleschen Klubs nicht vergessen. Und auch deshalb erinnert er in dem Buch an „Fan-Liebling“ Dieter Strozniak, der sich in dieser schwierigen Phase des Klubs nicht zu schade war, nochmal die Töpfen zu schnüren, und der heute noch mit der Traditionself der Rot-Weißen unterwegs ist.  

 Als eingefleischter HFC-Fan hängt Greye mit Herzblut an seinem Verein, mit dem er drei Aufstiege miterlebt hat. Und das mit voller Leidenschaft. Wenn die Rot-Weißen schlecht spielen oder verlieren, schlägt sich das auf sein Gemüt. „Dann ist das Wochenende gelaufen“, sagt seine Frau Petra und lacht. Sie erkennt schon an seiner Miene nach der Rückkehr aus dem Stadion, wie die Begegnung ausgegangen ist. „Ich bin aber schon ruhiger geworden“, wehrt ihr Ehemann ab.

 Eigentlich schlagen zwei Fußballherzen in seiner Brust. Als gebürtiger Dessauer ist er von Kindesbeinen an ein „05er“. Und als Dessau 05 vor Jahren den favorisierten HFC aus dem Pokal warf, „wusste ich garnicht so recht, ob ich jubeln oder mich ärgern sollte“, räumt Hans-Jürgen Greye ein. Er will wahrhaftig bleiben, auch in seinem Buch. Darum macht er dort um die Querelen zum Fanprojekt und Steffen Kluge keinen Bogen. Kurzum: Das 176 Seiten umfassende Werk des langjährigen Fußballfans ist ein Muss für jeden Anhänger des Halleschen FC.

Hans-Jürgen Greye: „Rot wie Blut, weiß wie Schnee …“, Der Hallesche FC in 40 Porträts, Mitteldeutscher Verlag Halle, ISBN: 978-3-96311-042-9, Preis: 14 Euro             


Von: WB

Teile diesen Artikel mit Deinen Freunden