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KEIN WEG ZU WEIT

Verrückter geht es kaum: Zum letzten Heimspiel der Saison 2018/19 am 11. Mai gegen Eintracht Braunschweig ist HFC-Fan Steffen Rössel aus Mexiko nach Halle gedüst. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn der 47-jährige Hallenser arbeitet als Flugbegleiter bei der Lufthansa und kam am Freitag von einem Trip aus Mittelamerika in Frankfurt/Main an. Von dort aus flog er umgehend weiter zum Flughafen Halle/Leipzig, wo ihn ein Bekannter aus Landsberg abholte, damit er tags darauf rechtzeitig zum Anpfiff der Begegnung des HFC gegen die Löwen im ERDGAS Sportpark sein konnte. 

„So oft es geht, versuche ich bei einem Spiel der Rot-Weißen dabei zu sein“, erzählt der gelernte Hotelfachmann. Seine Lebensgefährtin war an jenem Wochenende zur Jugendweihe bei Verwandten in Berlin eingeladen. Und so nutzte er die Gelegenheit, einen kleinen Umweg über Halle an der Saale zu machen, um seiner Lieblingsmannschaft den Rücken zu stärken. Sofort nach dem Spiel, das der HFC mit 1:0 gewann, ging es per Bahn zur Familie in die Hauptstadt.

Eigentlich wohnt Steffen Rössel in Barcelona, doch für den HFC ist ihm kein Weg zu weit. Aufgewachsen ist er in Halle-Neustadt. Mit achteinhalb Jahren nahm ihn ein Nachbar mit ins Kurt-Wabbel-Stadion. An sein erstes Spiel, das er dort erlebt hat, kann er sich noch genau erinnern:  „Das war am 15. März 1980 und wir haben gegen Dynamo Dresden knapp mit 0:1 verloren.“ In dieser denkwürdigen Partie verschoss Dieter Strozniak in der 90. Minute einen Foulelfmeter. Holger Krostitz hatte zwar zuvor vom Punkt getroffen, doch der Schiedsrichter hatte den Elfer noch nicht frei gegeben. Vielleicht war es die Dramatik dieser Schlussphase oder die stimmungsgewaltige Kulisse von 30.000 Zuschauern. Wie auch immer. Steffen Rössel gehört jedenfalls seither zur Schar der Anhänger der Rot-Weißen, die heute überall zu finden sind.

Die Liebe zum Fußball hat den Hallenser überall hin begleitet. So auch, als er nach dem Zusammenbruch der DDR im Sommer 1990 im Schwarzwald eine Lehre zum Hotelfachmann absolvierte. Einmal hat er sogar seine Arbeit unterbrochen und ist mit einem Koch zum Zweitliga-Spiel des SC Freiburg gegen den HFC rund 25 Kilometer „vom Berg runtergefahren“. Nach dem Abpfiff der Partie, die Halle mit 1:3 verlor, ging es zurück an die Kochtöpfe. Mit einer Freundin, die aus dem Ruhrgebiet stammte, hat er damals auch fast alle bekannten Fußballvereine in Nordrhein-Westfalen „abgeklappert“, um sich Bundesligaspiele anzuschauen. Als er nach der Lehre in Luzern in der Schweiz eine Anstellung fand, schwärmte der Fußball-Enthusiast in südliche Gefilde aus. Im November 1994 sah er im Guiseppe-Meazza-Stadion den AC Mailand gegen Parma. Ein halbes Jahr später erfüllte er sich mit dem Besuch im Nou Camp zum „El Clasico“ zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid einen lang gehegten Wunsch. 

Luzern war für ihn ein idealer Ausgangspunkt, um in die internationale Fußball-Szene hinein zu schnuppern. Selbst nach Paris zum Finale im Europapokal der Pokalsieger von Saragossa gegen Arsenal London (2:1) war es für ihn von dort aus nicht weit. Sogar in Übersee schaute er sich in der Soccer League um. Im Juni 1995 hatte der Hallenser einen Job in Disney World in Florida angenommen. In dieser Zeit besuchte er auch eine Partie von Tampa Bay  Mutiny. Dort spielte in der Eröffnungssaison mit dem Kolumbianer Carlos Valderrama einer der damals besten Fußballer der Welt. „Wie er mit dem Ball umgehen konnte, war schon eine Augenweide“, so Steffen Rössel. Nach dem Abstecher in die USA heuerte er bei der Lufthansa als Flugbegleiter an. Seither fliegt der Fußball-Globetrotter von Frankfurt/Main, dem Sitz der „Kranich“-Airline, nicht nur in alle Himmelsrichtungen. Sondern mit Discount-Tarif auch nach Barcelona, wo er seit 2001 wohnt. 
 
Auch wegen seiner Fußball-Leidenschaft hatte es ihn damals in die faszinierende Hauptstadt von Katalonien, die 1992 Olympia-Austragungsort war,  verschlagen. „Ich fühle mich in der quirligen Stadt wohl“, bekennt Steffen Rössel. Und seit 2015 hat er einen Grund mehr, dort zu bleiben. Wie der Zufall es wollte, lernte er in jenem Jahr in Barcelona eine Lehrerin aus Halle kennen, mit der dort jetzt zusammenlebt. „Die Welt ist manchmal ziemlich klein“, sagt der 47-jährige HFC-Fan und lacht. Seit dem Drittliga-Aufstieg 2012 ist er vor allem in Deutschland unterwegs ist, um die Rot-Weißen  anzufeuern. So wie in Rostock, Lotte und Braunschweig. Ab und zu kommt seine Partnerin zu Spielen mit, so wie zuletzt Ende Januar bei Fortuna Köln. Und wenn der HFC in Unterhaching aufläuft, sind auch seine Eltern, die vor sechs Jahren von Halle nach München gezogen sind, mit von der Partie. „Da trifft sich immer die ganze Familie“, so der Flugbegleiter.

In den zurückliegenden Jahren hat der Wahl-Spanier mit rot-weißem Herzblut manche Sternstunde mit seinem halleschen Team erlebt. Noch heute schwärmt er von der Begegnung des HFC im März 2015 bei Dynamo Dresden, die die Rot-Weißen mit 3:2 gewannen. Sören Bertram erzielte in dieser Partie nach einem unwiderstehlichen Solo von der Mittellinie aus das Tor zur 2:1-Führung. „Er hat die Dynamo-Abwehr ausgetanzt und dann eiskalt vollendet, das war sensationell“, hat er dessen Treffer noch immer vor Augen. Nur zu gern wäre Steffen Rössel wieder zu einem Aufeinandertreffen der beiden Vereine in der 2. Liga geflogen. „Es ist schon schade, dass die große Chance zum Aufstieg vertan wurde“, bedauert der HFC-Anhänger aus Barcelona. Dennoch bescheinigt er der Mannschaft eine außergewöhnliche Leistung. „Es ist toll, was der HFC im siebten Drittliga-Jahr geschafft hat“, zollte er auch dem Trainerstab um Torsten Ziegner seinen Respekt. Was ihn besonders freut: Es herrscht wieder Aufbruchstimmung und Euphorie bei den Rot-Weißen, was gerade beim letzten Heimspiel deutlich wurde. „Und darauf lässt sich doch aufbauen“, meint Steffen Rössel, der sich schon auf die neue Saison freut. Es steht bereits fest, dass er so viele HFC-Spiele wie nur irgendmöglich live im Stadion erleben will. Dafür werden auch schon mal die Dienst- und Urlaubspläne nach dem Spielplan gerichtet. Vielleicht schafft es der Wahl-Spanier auch wieder ins Winter-Trainingslager der Rot-Weißen wie im Januar 2017.