04.09.2010 - 4. Spieltag der DFB-Regionalliga NORD, Saison 2010/11:
TSV Havelse - FC Energie Cottbus II 3:0 (2:0)
Hannover 96 II - VfL Wolfsburg II 1:0 (0:0)
Holstein Kiel - RasenBallsport Leipzig 1:2 (1:0)
Türkiyemspor Berlin - Hertha BSC II 14.09.2010
1. FC Magdeburg - FC Oberneuland 1:0 (0:0)
Hamburger SV II - SV Wilhelmshaven 1:1 (0:1)
Eintracht Braunschweig II - VFC Plauen 0:1 (0:0)
Chemnitzer FC - ZFC Meuselwitz 1:0 (1:0)

     Hallescher FC - VfB Lübeck 2:2 (1:1)

Gerechtes Unentschieden zweier auf Sieg spielender Mannschaften
HFC egalisierte durch Jan Benes und Benjamin Boltze eine zweimalige Gästeführung
Gästetrainer Peter Schubert war kurz nach dem Abpfiff immer noch völlig unschlüssig darüber, ob er sich über den gewonnen Punkt freuen oder ärgern sollte. „Wir haben bereits viermal gegen den HFC gespielt und gerieten dabei in drei Partien in Rückstand. Heute gehen wir selbst zweimal in Führung, und wieder hat es nicht für einen Sieg gereicht.“ Beide Trainer, einst gemeinsam auf der Fußball-Lehrerbank in der Sportschule Köln, wussten vordem um die Schwere der Aufgabe. Sicherlich hatten beide gute Noten im Fach Taktik, denn wie so oft auch unsere Mannschaft in den Auswärtsspielen erfolgreichen Konterfußball zelebrieren kann, waren auch die Ostseestädter bei ihrem Auftritt im Neustädter „Stadion am Bildungszentrum“ vorzüglich auf diese Taktik eingestellt. Beide machten zunächst das Wichtigste, nämlich keine Fehler. Die Abwehrspieler ließen ihren Gegnern kaum Entfaltungsmöglichkeiten. Ganze 25 Minuten blieb der Notizblock des Autors völlig leer. Nach den Mannschaftsaufstellungen gab es zunächst keine weiteren Eintragungen. Doch dann sorgten der VfB für den „Urknall“. Innerhalb der nächsten fünf Spielminuten trauten die knapp 1.500 Zuschauern kaum ihren Augen, was da nun plötzlich auf dem gepflegtem Rasen abging. Praktisch mit dem ersten ernstzunehmenden Torschuss ging Lübeck mit 1:0 in Führung. Marcel Gebers marschierte auf der rechten Seite auf und davon. In seine scharfe Eingabe lief, völlig ungedeckt, Bastian Henning. Von dessen Fuß sprang der Ball ins Tor, weil Darko Horvat bereits auf dem Weg in die lange Ecke war. Der Adrenalinspiegel der Rot-Weißen stieg sicherlich sofort auf den doppelten Pegel. Mit voller Wucht inszenierten Sie den Gegenangriff und waren erfolgreich. Wieder einmal war es eine Standardsituation, übrigens perfekt einstudiert, die zum schnellen Ausgleich führte. Peter Schubert hatte vor dem Anpfiff seine Jungs noch davor gewarnt. „Da hatten sie die Situation völlig verkannt und wirkten ungeordnet“, ärgerte sich der Schwabe nach dem Spiel. Was war passiert? Benjamin Boltze knallte das Leder aus 16 m Entfernung auf das VfB-Tor. Vom Lattenkreuz und dem Hinterkopf des Lübecker Keepers sprang der Ball ins Toraus. Den Eckball von rechts hob dann Nico Kanitz gefühlvoll auf den Kopf von Thomas Neubert, der vom kurzen Pfosten auf den langen verlängerte, wo Jan Benes dann kraftvoll zum 1:1-Ausgleich einköpfte (28.). Bis zu diesem Zeitpunkt - und auch danach - war der HFC eindeutig die stärkere Mannschaft. „Wir spielten nach dem Ausgleich auf die 2:1-Führung“, analysierte Sven Köhler diese Phase des Spiels. Neben weiteren guten Möglichkeiten hatte Steve Finke (mit toller Leistung) das zweite HFC-Tor noch vor dem Pausenpfiff des souverän amtierenden Bundesligaschiedsrichters Felix Zwayer (Berlin) auf dem Kopf, doch der Ball strich nur knapp am VfB-Tor vorbei (44.).

Mit dem Bestreben, ganz schnell das zweite Tor zu machen, kamen die Gastgeber auch aus der Kabine. Dabei ließen sie nicht erst wieder 25 Minuten vergehen. Schon in der 48. Minute bot sich Thomas Neubert per Kopf die erste Chance zur Führung. Dann vergab Pavel David aus einer Position, aus welcher in Meuselwitz noch getroffen hatte (50.). Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich die Hallenser für ihr jetzt engagiertes Spiel selbst belohnen würden. Doch es kam, wie es wieder einmal kaum einer erwartet hatte. Die Zeit verging und die Gäste bekamen mit Dennis Wehrendt nicht nur einen frischen Rechtsaußen (kam in der 57. Minute für den bereits gelb belasteten Bastian Henning) sondern auch die zweite Luft, und waren plötzlich wieder im Spiel. Fast folgerichtig gingen sie erneut in Führung. Nach einem Zuspiel von Tim Siedschlag schob der Eingewechselte den Ball unhaltbar ins lange Eck (64.). Eine wahre Demütigung des HFC, dem nun in der noch jungen Saison die erste Niederlage drohte. Sven Köhler wechselte auch auf der Außenposition und brachte für den sehr lauf- und kampfstarken, aber glücklos operierenden, Nico Kanitz den 19jährigen Selim Aydemir (67.). „Es war ein Spiel von hoher Moral“, bilanzierte der HFC-Cheftrainer nach dem Ablauf der spannenden 90 Minuten. Und Moral zeigten seine Jungs dann nach dem erneuten Rückstand. Immer wieder kurbelte Benjamin Boltze, auch nach eigenen Ballverlusten und dessen Wiedereroberung, das Offensivspiel des HFC an. Er erzielte dann den verdienten 2:2-Ausgleichstreffer auch selbst, als die Lübecker Abwehr auf einen Ableger von Thomas Neubert zu spät reagierte. Nahe der Strafraumgrenze zog Benjamin ab uns traf ins linke untere Eck (75.). Für Peter Schubert war dieses Tor vermeidbar: „Wir haben nicht schnell genug reagiert, um den zweiten Ball für die Hallenser unschädlich zu machen. Es war genügend Zeit, den Rückraum zuzustellen. Unmittelbar danach hatte Selim Aydemir den dritten HFC-Treffer auf dem Fuß, aber der Lübecker Keeper vermasselte ihm das erste Regionalligapunktspieltor. In der Schlussphase flammte dann noch einmal die gefährliche Lübecker Kontertaktik auf, doch weder Rolf-Martin Landerl (78.), noch Domagoj Duspara (85.) trafen das Tor. So blieb es am Ende beim leistungsgerechten 2:2-Unentschieden. Ein Resultat, was beide eigentlich nicht wollten, womit die Gäste aber sicherlich zufriedener waren, als die Hallenser.
Ro-Heb | JS | Fotos: Agentur ROWIS

STATISTIK: Hallescher FC - VfB Lübeck 2:2 (1:1)
HFC (weiß-rot): Horvat - Teixeira, Klippel, Hartmann, Benes (80. Knaack) - Boltze, Finke - Lindenhahn (84. Hauk), David, Kanitz (C/67. Aydemir) - Neubert. Trainer: Sven Köhler. Ersatzbank: Rittenauer - Schubert, Kamalla, Hebestreit.
LÜB (grün/weiß-weiß): Melzer - Gebes, Peters, Marheineke (C), Hohnstedt - N. Lange - Siedschlag, Landerl, Cornelius (80. Zekiri) - Duspara (90. Hengelbrock), Henning (57. Wehrendt). Trainer: Peter Schubert. Ersatzbank: Gommert - Meyer, Röhr, Senger.
Tore: 0:1 - Henning (25., Vorarbeit Gebers), 1:1 - Benes (28., Vorarbeit Neubert), 1:2 - Wehrendt (64., Vorarbeit Siedschlag), 2:2 - Boltze (75., Vorarbeit Neubert). Ecken: 3:6 (1:3). Freistöße: 27:14 (15:5). Chancen: 8:5 (4:2). Abseits: 5:3 (1:3). Gelbe Karten: Boltze (78., Foulspiel) - Siedschlag (26., Foulspiel), Cornelius (38., Foulspiel), Henning (39., Foulspiel), Landerl (69., Foulspiel). Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin), Note 2, ohne größere Probleme, pfiff aber etwas kleinlich. SRA: Matthias Lämmchen, Julian-Henning Eichhorst.
Zuschauer: 1.412 (darunter ca. 60 Gästefans) im Stadion am Bildungszentrum in Halle.
Äußere Bedingungen: 15° und bewölkt, nach Regen tiefer Platz.
Anmerkungen: Beim HFC fehlten verletzungsbedingt David Sieber und Marco Stier sowie Patrick Mouaya (Länderspielabstellung).
Statistik: JS | Ro-Heb | Foto: Agentur ROWIS

AUS DER PRESSEKONFERENZ
Peter Schubert (Cheftrainer des VfB Lübeck): „Ich weiß gar nicht so recht, wie ich dieses Ergebnis einschätzen soll. In den bisherigen vier Spielen gegen den HFC gerieten wir dreimal in Rückstand und konnten nicht gewinnen. Heute haben wir zweimal geführt, und wieder hat es nicht zu einem Sieg gereicht. Am Schluss hatten wir noch eine Riesenchance, die wir nicht nutzen konnten.“
Sven Köhler (Cheftrainer des Halleschen FC): „Wir wollten natürlich dieses Heimspiel gewinnen und waren auch über weite Strecken spielbestimmend. Schon der erste Angriff des VfB bescherte uns aber den 0:1-Rückstand. Nach dem postwendend erzielten Ausgleichstreffer haben wir auf das 2:1 gespielt, konnten aber gute Chancen nicht nutzen. Auch für uns war am Ende das 3:2 möglich. Wir sahen heute ein Spiel von hoher Moral, keine Mannschaft gönnte der anderen einen Zentimeter Raum. Das war für ein Regionalligaspiel schon sehr außergewöhnlich.“
Foto: Agentur ROWIS