06.08.2010 - 1. Spieltag der DFB-Regionalliga NORD, Saison 2010/11:
VFC Plauen - Chemnitzer FC 1:1 (1:1)
FC Oberneuland - Eintracht Braunschweig II 0:2 (0:1)
RasenBallsport Leipzig - Türkiyemspor Berlin 1:1 (1:1)
Hamburger SV II - Holstein Kiel 1:2 (0:1)
SV Wilhelmshaven - Hannover 96 II 1:0 (1:0)
VfB Lübeck - 1. FC Magdeburg 0:2 (0:1)
VfL Wolfsburg II - TSV Havelse 2:1 (1:0)
FC Energie Cottbus II - ZFC Meuselwitz 0:1 (0:0)
Hertha BSC II - Hallescher FC 2:2 (1:1)
Der „Fluch von Berlin“ geht weiter
Trotz zweier Treffer von Thomas Neubert reichte es am Ende wieder nicht zum Sieg | Ein „Fußballgott“ und eine „Zecke“ ragten aus spielerisch überzeugenden Teams noch heraus
Als Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus aus dem schönen Harzstädtchen Bad Lauterberg heute abend den Saisonauftakt bei Hertha BSC II anträllerte, waren die guten Testspielergebnisse beider Mannschaften aus der Vorbereitungsphase nur noch Schall und Rauch. Traditionell zeigte sich der Kader der Berliner wieder deutlich verändert. Rund einem Dutzend Abgängen stehen Rückkehrer Andreas „Zecke“ Neuendorf (vom FC Ingolstadt), Gramoz Kurtaj (U19 von Holstein Kiel) und Patrick Nonnenmann (KSC II) als externe Neuzugänge gegenüber. Aus dem eigenen Nachwuchs rückten zudem weitere sieben Spieler in die U23 auf. Wie ernst die Hauptstädter die Partie gegen unsere Jungs nahmen, verdeutlichte auch, dass aus dem Trainingslager der Profis im österreichischen Feldkirchen extra Sascha Burchert, Marco Djuricin, Lennart Hartmann und Christoph Janker „eingeflogen“ wurden, um die Heine-Truppe von Beginn an zu unterstützen.
Der HFC wollte in dieser Begegnung, die unter wolkenverhangenem Himmel rund 15 Minuten später begann (der Bus war auf der Anreise im dichten Berliner Feierabendverkehr steckengeblieben) endlich den „Fluch von Berlin“ beenden. Bereits fünfmal zuvor konnte in der deutschen Hauptstadt nicht gewonnen werden, alle Spiele endeten Remis. Die Hausherren waren vom Anpfiff weg bemüht, das Spiel in die hallesche Hälfte zu verlagern und holten in den ersten fünf Minuten gleich vier Eckbälle heraus. Doch die erste Chance gab es auf der Gegenseite zu vermelden, als sich Toni Lindenhahn schön in den Strafraum spielte, Thomas Neubert jedoch dessen Eingabe um nur einen Schritt verpasste (6.). Dann zeigte sich Darko Horvat erstmals im Bilde und hielt einen 20 m-Schuss von Kevin Stephan sicher (11.). Nur zwei Minuten später warf sich Patrick Mouaya in einen Knaller von Alfredo Morales und lenkte das Leder damit gerade so noch neben den rechten Pfosten. In der nächsten Viertelstunde passierte nicht viel, da die Begegnung sich weitestgehend zwischen den Strafräumen abspielte. Als Steve Finke den Kopf noch an einen Freistoß von Benjamin Boltze brachte, ließ sich Sascha Burchert im Hertha-Gehäuse davon nicht überraschen (30.). Nach dem nächsten HFC-Angriff lag das Leder dann erstmals in den Maschen. Doch Thomas Neubert, nach kluger Eingabe von Pavel David, stand bei seinem Treffer wohl im Abseits. Zumindest war es eine knappe Entscheidung... Aber was Recht ist, kommt bekanntlich wieder. Nach einem David-Freistoß schraubte sich „Neubi“ am höchsten und köpfte unhaltbar zur jetzt hochverdienten Gästeführung ein (37.). Fast hätte Pavel David diese gleich darauf ausgebaut, doch nach einem schnellen Gegenzug zielte der Tscheche leider links daneben (39.). Den überraschenden Ausgleich hämmerte Andreas Neuendorf aus Nahdistanz unter den Querbalken (42.). Zuvor stand Patrick Mouaya zu weit von seinem Gegenspieler weg, der dadurch ungehindert flanken konnte. Mit diesem Zwischenstand ging es dann auch in die Kabinen.
Aus diesen kamen beide Mannschaften unverändert zurück. Die erste Duftmarke in Hälfte zwo setzte Telmo Teixeira, der aus über 20 m abzog - aber Sascha Burchert war auf dem Posten (52.). Nach der zweiten HFC-Ecke hätte Thomas Neubert fast wieder getroffen, doch Marco Djuricin klärte einen knappen Meter vor der Torlinie (55.). Seine bis dato überragende Leistung krönte der Stürmer in der 62. Minute. Nach einer 3:1-Überzahlsituation und Pass von Benjamin Boltze guckte der „Fußballgott“ den Hertha-Keeper, der wohl mit einer Eingabe rechnete, aus und schlenzte das Leder aus halblinker Position hinter Sascha Burchert zum 2:1 ins Netz (62.) - ein Klassetor! Diese erneute Führung wollte HFC-Cheftrainer Sven Köhler nun in altbewährter HFC-Manier ins Ziel bringen und mit zwei Wechseln die nicht wirklich sicher stehende Defensive verstärken. Zuerst ersetzte Marco Hartmann den agilen Pavel David (68.), bevor Benjamin Boltze für Ronny Hebestreit Platz machte (70.). Karsten Heine auf der Hertha-Bank dagegen blies das Signal zum Angriff und brachte mit Gramoz Kurtaj, Terrence Boyd und Junior Torunarigha drei Akteure, welche der Schlussphase ihren Stempel aufdrückten. Vergab Kurtaj in der 76. Minute, nach einem abgeblockten Schussversuch von Torunarigha, noch völlig freistehend, machte es Hertha dann beim nächsten Angriff besser. Darko Horvat parierte einen Knaller von Andreas Neuendorf zunächst noch glänzend mit den Fäusten. Das Leder landete aber leider bei Terrence Boyd, der aus 10 m zum Ausgleich vollendete (77.). Nun ging es Schlag auf Schlag. Nach einem langen Freistoß stand plötzlich „Zecke“ Neuendorf auf halblinks mutterseelenallein, verzog aber überhastet (85.). Dann folgte eine Klassereaktion von Darko Horvat, der mit dem Fuß noch einen Schuss von Gramoz Kurtaj entschärfte (86.). Auf der Gegenseite zog Jan Benes nach einer Kopfballablage von Thomas Neubert aus 20 m direkt ab, zielte jedoch einen Meter rechts daneben (88.). Nachdem Steve Finke von der Strafraumgrenze drüberschoss, war die Nachspielzeit eingeläutet. In dieser passierte nicht mehr viel, so dass es am Ende beim 2:2-Unentschieden blieb - dem sechsten in Folge unterm Funk- oder Fernsehturm. Insgesamt sahen die 447 Zuschauer (darunter rund 250 lautstarke Hallenser) eine gutklassige Partie, in welcher der HFC in der Offensive einige Achtungszeichen setzte. Doch die Wackler in der Defensive verhinderten das Ende des „Fluches von Berlin“.
JS | Ro-Heb | Foto: Sv-Heb
STATISTIK: Hertha BSC II - Hallescher FC 2:2 (1:1)
HER (weiß/blau-blau): Burchert - Nonnenmann, Morales, Janker, Brecht - Radjabali Fardi, L. Hartmann (55. Kurtaj), Djuricin (68. Boyd), Neuendorf - Knoll, Stephan (68. Torunarigha). Trainer: Karsten Heine.
HFC (rot-rot): Horvat - Teixeira, Klippel, Mouaya, Benes - Finke, Boltze (70. Hebestreit) - Lindenhahn, David (68. M. Hartmann), Aydemir (84. Kanitz) - Neubert. Trainer: Sven Köhler.
Tore: 0:1 - Neubert (37., Vorarbeit David), 1:1 - Neuendorf (42.), 1:2 - Neubert (62., Vorarbeit Boltze), 2:2 - Boyd (77., Vorarbeit Neuendorf). Ecken: 6:5 (6:1). Chancen: 6:7 (2:3). Freistöße: 16:14 (7:8). Abseits: 0:4 (0:2). Gelbe Karten: Radjabali Fardi (16., Foulspiel), Djuricin (67., Reklamieren), Stephan (68., Ball wegschlagen) - Neubert (90., Foulspiel). Schiedsrichterin: Bibiana Steinhaus (Bad Lauterberg), Note 2: Souveräne Leistung ohne gravierende Fehler. SRA: Marcus Henze, Sebastian Rabe.
Zuschauer: 446 (darunter ca. 250 HFCer) unter Flutlicht im Jahnstadion in Berlin.
Äußere Bedingungen: ca. 20° und bewölkt, teilweise Regen, tiefer, aber gut bespielbarer Platz.
Anmerkungen: Beim HFC fehlten verletzungsbedingt Marco Stier und David Sieber. Telmo Teixeira, Christoph Klippel und Benjamin Boltze kamen zu ihrem ersten Punktspieleinsatz.
Statistik: JS | Ro-Heb
AUS DER PRESSEKONFERENZ
Sven Köhler (Cheftrainer des Halleschen FC): „Zuerst möchte ich mich bei Hertha und der Schiedsrichterin für ihr Verständnis bedanken, die Partie später anzupfeifen. Ich denke, wir haben eine ordentliche Regionalligabegegnung gesehen. Die ersten 20 Minuten haben die Berliner bestimmt, dann sind wir besser ins Spiel gekommen und konnten in Führung gehen. Leider brachten wir den Vorsprung nicht in die Halbzeitpause und konnten auch später das 2:1 nicht halten, worüber ich mich ärgere. Bei Hertha waren die vier Vertärkungen ´von oben´ schon sichtbar, am Ende ist das Unentschieden jedoch gerecht.“
Karsten Heine (Trainer von Hertha BSC II): „Ich sehe es ebenso. Ein gutklassiges Regionalligaspiel endete mit einem gerechten Ergebnis. Wir begannen stark, zeigten gute Kombinationen und schnelle Abschlüsse. Dann passierten meiner Mannschaft aber zuviele Fehlpässe, wir waren nicht mehr gut organisiert, und der Druck des HFC wurde immer stärker. Folgerichtig fiel dessen Führungstreffer. Für uns war der Ausgleich noch vor dem Pausenpfiff sehr wichtig. Wegen der ausgeglichenen zweiten Hälfte geht das 2:2 so in Ordnung.“
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