01.09.2009 - 5. Spieltag der DFB-Regionalliga NORD, Saison 2009/10:
VfB Lübeck - Türkiyemspor Berlin 1:0 (1:0)
F.C. Hansa Rostock II - Hamburger SV II 1:2 (0:1)
Goslarer SC 08 - Chemnitzer FC 0:2 (0:2)
Hannover 96 II - FC Oberneuland 5:0 (4:0)
VFC Plauen - 1. FC Magdeburg 1:4 (1:3)
SV Babelsberg 03 - Tennis Borussia Berlin 0:1 (0:0)
SV Wilhelmshaven - ZFC Meuselwitz 0:0 (0:0)
FC St. Pauli II - Hertha BSC II 3:1 (1:0)
Hallescher FC - VfL Wolfsburg II 2:2 (1:1)
Bravourös kämpfender HFC wurde in der Nachspielzeit aus den Siegträumen gerissen
Pavel David flog mit gelb-rot runter | Bitterer Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit | Tolle Fans feiern ihre Jungs trotzdem
Am heutigen Dienstag gastierte bei hochsommerlichen Temperaturen die U23 des amtierenden Deutschen Meisters im KWS. Der VfL Wolfsburg II war bisher nicht nur unbezwungen, sondern hatte auch noch kein Gegentor kassiert. Beide (kleinen) Serien abstellen wollten unsere Jungs, und das wäre ihnen auch fast gelungen. Dabei wirkten die Rot-Weißen schon von der ersten Sekunde weitaus konzentrierter als zuletzt in Chemnitz. Bereits nach 13 Minuten jubelten die fast 3.200 Zuschauer erstmals. Nico Kanitz passte auf den im zentralen Mittelfeld wieder überzeugenden Ronny Hebestreit, und der Routinier vollendete aus 16 m überlegt zum 1:0. Doch die „Jungwölfe“ zeigten sich von diesem frühen Rückstand nicht geschockt und schlugen eiskalt zurück. Nach der zweiten, kurz ausgeführten Ecke der Gäste klärte zunächst Thomas Neubert gut, doch sein anschließender Pass landete direkt bei Sergej Karimow, der vom linken Strafraumeck ins rechte untere Toreck abzog (23.). Den unrühmlichen Kulminationspunkt der Partie lieferte dann ausgerechnet Pavel David. Zuerst holte sich der erfahrene Tscheche eine gelbe Karte wegen Meckerns ab (34.), um nur eine Minute später nach einem Foul von hinten mit gelb-rot vom Platz zu fliegen. Diese Entscheidung des ansonsten oftmals unglücklich und teilweise einseitig pfeifenden Schiedsrichters Eduard Beitinger aus Regensburg war allerdings berechtigt. Nach der Pause erwehrte sich der HFC einiger gefährlicher Wolfsburger Angriffe, schlug selbst zu und nahm zwischenzeitlich sogar den „Platz an der Sonne“ ein. Als Jan Benes sich auf der rechten Seite gut in Szene setzte und auf Thomas Neubert passte, nahm dieser das Leder an, drehte sich noch einmal und vollendete aus 6 m zum 2:1 (65.). Von ihren tollen Fans unermüdlich angefeuert, verteidigten die Gastgeber den knappen Vorsprung bis zum Ende der regulären Spielzeit. Doch eine Minute später sollte ausgerechnet Darko Horvat ein Fehler passieren, der Folgen hatte. Der ansonsten absolut zuverlässige HFC-Torhüter unterschätzte eine Flanke von Zefa Yilmaz, und Fabian Klos brauchte aus Nahdistanz mit dem Kopf nur noch einzunicken. Danach war Schluss, und der Kroate lag noch Minuten nach dem Abpfiff völlig niedergeschlagen auf dem Rasen.
JS | Ro-Heb | Foto: Sv-Heb
DIE 1. HALBZEIT:
Über 3.000 Zuschauer, eine wirklich überraschend positive Quote für ein Wochentagsspiel, registrierten bei der Verkündung der Mannschaftsaufstellungen nur wenige Veränderungen. Beim HFC bekam der offensiv stärkere René Stark den Vorzug gegenüber dem einige Zeit verletzt gewesenen Thorsten Görke, während bei den Gästen seit langer Zeit der mehrfache U19-Nationalspieler Alexander Esswein für Fabian Klos auflief. Die Wolfsburger agierten zunächst ausgesprochen defensiv, während der Gastgeber über ein sicheres Passspiel in die Partie kommen wollte. So neutralisierten sich beide Teams in den ersten zehn Minuten. Allerdings waren unsere Rot-Weißen drangvoller und hatten schon in der 8. Minute durch Nico Kanitz eine gute Möglichkeit, als er, von Thomas Neubert perfekt angespielt, von jenseits der Strafraumgrenze nur knapp das Tor verfehlte. Wenig später waren die Hallenser schon erfolgreich. Jetzt legte der „Dicke“ für Ronny Hebestreit auf, der abgezockt den Ball aus 16 m in den Winkel schlenzte (13.). Ein Traumtor des bis zu seiner späteren Auswechslung besten HFCers. Was nun folgte, war taktisch zu erwarten. Die VW-Städter öffneten ihren Abwehrknoten, während der HFC sich zurückzog. Dem Spiel tat dies nicht gut. Viele zerfahrene Zweikämpfe und Fehlpässe auf beiden Seiten waren in dieser Phase eines Spitzenspiels nicht würdig. Gemächlich wurde der Druck des Spitzenreiters immer größer (Freistoß Esswein/18., zwei Eckbälle in Folge/21.). Als dann Thomas Neubert im eigenen Strafraum nach einem missglückten Abwehrversuch (23.) ungewollt den Bundesliga erfahrenen Sergej Karimow bediente, ließ sich der Wolfsburger Linksverteidiger dieses Geschenk nicht nehmen und zirkelte den Ball aus knapp 18 m zum Ausgleich ins lange Eck. In der 25. Minute musste Alexander Esswein verletzt ausscheiden. Bis dahin und auch in den weiteren zehn Minuten war die Begegnung von vielen Nicklichkeiten geprägt. Pavel David konnte sich nach einer solchen Situation überhaupt nicht beruhigen und erhielt - nach einem schier unendlichen Disput mit dem Schiedsrichter - berechtigt die gelbe Karte (34.). Nur zwei Minuten später, als die Gäste trotz zwei vorangegangener Foulspiele in Ballbesitz blieben und sich dem HFC-Strafraum näherten, stieg der Tscheche wohl etwas übermotiviert in einen Zweikampf ein. Danach war zwar der Wolfsburger Angriff beendet, aber eben auch die Spielzeit für Pavel. Der Schiedsrichter, bis dahin sehr unsicher und zugleich überaus selbstbewusst, zog sofort und völlig berechtigt die zweite gelbe Karte, der natürlich die „A....-karte“ folgte. „Pavel reagierte da einfach zu dumm“, kommentierte Sven Köhler diese Situation nach dem Abpfiff. „Damit hat er sich eigentlich selbst bestraft, denn er wird im nächsten Spiel fehlen. Andere werden ihre Einsatzchance nutzen wollen, das ist doch wohl klar“, schob der HFC-Cheftrainer nach. Bis zur Halbzeitpause wurde das Spiel nicht besser. Nach den beiden Toren erlitt es einen deutlichen Bruch.
DIE 2. HALBZEIT:
Bis dahin und auch in der ersten Viertelstunde nach Wiederbeginn zeigten die Grünen, dass sie einen technisch gepflegten Fußball spielen können. Die ersten 15 Minuten des zweiten Spielabschnitts gingen klar an die Gäste, nur klare Chancen konnten sie sich nicht erarbeiten. Weder Sergej Karimow (47.), noch Sebastian Polter (53.) und auch Mike Könnecke (57.) konnten Darko Horvat ernsthaft in Gefahr bringen. Erst in der 54. Minute kam der HFC zu seinem ersten Eckball, dem gleich der zweite folgte. Auch diese waren nicht wirklich gefährlich. So langsam fanden aber beide Mannschaften wieder ihre Linie, und die Partie wurde deutlich besser. Bis zum Schlusspfiff blieb es dann ein echtes Spitzenspiel. Die Fehlerquoten auf beiden Seiten verringerten sich. Demzufolge stieg auch die Stimmung auf den Rängen, und „ein Hallenser“ musste auch auf der Haupttribüne stehen, um seine Echtheit nachzuweisen. Die Mannschaft brauchte diese tolle Unterstützung der Einheimischen, weil natürlich die Kräfte in Unterzahl zusehends schwanden. Als sich dann Jan Benes (wieder, wie schon in Chemnitz, mit starken Offensivaktionen) auf der rechten Seite durchtankte und Thomas Neubert perfekt bediente, hatte sich der Kampfgeist der Rot-Weißen auf dem Feld und den Zuschauerblöcken gelohnt. „Neubi“ erzielte mit einem perfekten Stürmertor das 2:1 und hielt die Stimmung im Stadion weiter am Kochen. „Den Platz an der Sonne“ vor den Augen, warfen die Gastgeber sich in jeden Ball. Das Spiel wurden ungemein spannend, Wolfsburg immer stärker, aber die HFC-Abwehr stand ziemlich sicher. Darko Horvat stand im Brennpunkt und reagierte mehrfach meisterhaft. In höchster Not klärte er zweimal hintereinander gegen Sebastian Polter (72.). Auch Christian Kamalla und Adli Lachheb knieten sich in jeden Zweikampf. Mit viel Beifall von den Rängen feierte dann Selim Aydemir sein Debüt im HFC-Trikot. Er kam in der 73. Minute für den völlig ausgelaugten „Neubi“ in die Partie und zeigte durchaus einige gute Ansätze. Der ebenfalls eingewechselte Angelo Hauk hatte dann die Vorentscheidung auf dem Fuß. Er setzte sich auf der rechten Seite durch und zog aus 18 m ab, doch der Ball verfehlte das Ziel nur knapp. Das Ende dieses Spitzenspieles ist bekannt. Es reichte wegen nur weniger Sekunden nicht zum Sieg und der Eroberung der Tabellenspitze, doch die Anhänger würdigten den unbändigen Kampfgeist ihrer Jungs, so dass diese trotz des unglücklichen Ausgleichstreffers erhobenen Hauptes vom Platz gehen konnten.
Ro-Heb | JS | Fotos: Sv-Heb
STATISTIK: Hallescher FC - VfL Wolfsburg II 2:2 (1:1)
HFC (weiß-rot): Horvat - Benes, Lachheb, Kamalla, Sieber - Stark, Finke - David, Hebestreit (60. Hauk), Kanitz (66. Müller) - Neubert (73. Aydemir). Trainer: Sven Köhler.
VfL (grün-grün): Hitz - Schulze, Reiche, Klamt, Karimow - Evljuskin (83. Laas), Ziehl, Riemer (73. Klos), Yilmaz - Könnecke, Esswein (31. Polter). Trainer: Lorenz-Günther Köstner.
Tore: 1:0 - Hebestreit (13., Vorarbeit Kanitz), 1:1 - Karimow (23.), 2:1 - Neubert (65., Vorarbeit Benes), 2:2 - Klos (90.+1, Vorarbeit Yilmaz). Ecken: 2:11 (0:3). Chancen: 4:5 (2:2). Freistöße: 11:22 (5:12). Abseits: 0:1 (0:0). Gelbe Karten: Hebestreit (59., Halten) - Klos (88., Foulspiel). Gelb-Rote Karte: David (35.). Schiedsrichter: Eduard Beitinger (Regensburg) - Note 4: Lag bei vielen Entscheidungen daneben und pfiff einseitig. Korrekt war jedoch der Platzverweis von Pavel David. SRA: Steffen Ewald, Roman Solter.
Zuschauer: 3.180 (darunter 3 Gästefans) im Kurt-Wabbel-Stadion.
Äußere Bedingungen: 31 Grad und sonnig, gut bespielbarer Rasen.
Anmerkungen: Beim HFC waren bis auf die Langzeitverletzten David Bergner, Benedikt Seipel und Milan Janecek alle Mann an Bord. Selim Aydemir feierte sein Debüt im HFC-Trikot.
Statistik: JS | Ro-Heb | AT | Foto: Sv-Heb
AUS DER PRESSEKONFERENZ
Lorenz-Günther Köstner (Trainer des VfL Wolfsburg II): „Ich dachte, wir waren gut vorbereitet. Aber das 0:1 fiel in einer solchen Situation, wie wir sie eigentlich nicht wollten. Dann haben wir hervorragend ins Spiel zurückgefunden, nach dem Platzverweis aber nicht konsequent genug gespielt. Der zweite Gegentreffer fiel über unsere relativ schwach besetzte linke Seite. Ein großes Kompliment an meine junge Mannschaft, die sich auch nach dem 2:1 nicht geschlagen gab und wieder zurück kam. Den Ausgleich hätten wir viel früher machen müssen. Für uns ist es ein mehr als verdientes Unentschieden gegen den erwartet starken Gegner.“
Sven Köhler (Cheftrainer des Halleschen FC): „Wir haben ordentlich begonnen uns sind verdient in Führung gegangen. Der Ausgleichstreffer war vermeidbar. Nach dem berechtigten Platzverweis kippte das Spiel in die Wolfsburger Richtung. Pavel Davids Meckerei, die zu seiner ersten gelben Karte führte, war einfach dumm. Damit hat er sich selbst bestraft, denn er muss jetzt ein Spiel aussetzen und andere wollen natürlich ihre Einsatzchance nutzen. So war die optische Überlegenheit der Gäste durch unsere Unterzahlsituation in der zweiten Hälfte logisch. Die Wolfsburger spielten sehr engagiert, sowohl im Angriff, als auch, überraschend für solch junge Mannschaften, in der Abwehr. Meine Mannschaft hat unheimlich gefightet und war dem Sieg sehr nah. Natürlich ist es bitter, wenn der Ausgleich dann in der letzten Minute fällt. Allerdings möchte ich bemerken, dass, wenn der Ausgleich eher fällt, wir das Spiel auch noch hätten verlieren können. So war den Punktgewinn sicherlich auch für uns redlich verdient.“
Foto: Sv-Heb
MDR-Fernsehbericht zum Spiel aus „Sachsen-Anhalt Heute“ (1:42).
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