29.04.2009 -
FSA-Pokal, Halbfinale, Saison 2008/09:



Das andere Halbfinale:
VfB Germania Halberstadt - 1. FC Magdeburg 1:3 (0:3)



   FC Grün-Weiß Wolfen - Hallescher FC 0:3 (0:0)

Erst zartbitter, dann aber zuckersüß!
Der HFC gewann das Landespokalhalbfinale beim Oberligisten FC Grün-Weiß Wolfen mit 3:0 und trifft im Endspiel, wie im Vorjahr, auf den Erzrivalen 1. FC Magdeburg
Am heutigen Abend musste unsere Mannschaft im Landespokalhalbfinale beim Oberligisten FC Grün-Weiß Wolfen antreten. Knapp 1.600 Zuschauer (die offizielle Zahl wurde nicht bekannt gegeben), darunter etwa 600 HFC-Anhänger, kamen ins Wolfener Jahnstadion und sahen eine insgesamt recht spannende Pokalbegegnung. In der ersten Hälfte war der HFC zwar über weite Strecken optisch überlegen, aber einen Klassenunterschied konnten die Köhler-Schützlinge leider nicht nachweisen. Die größte Chance vor der Pause vergab der erst 19jährige Wolfener Michael Gohlau (44.), als sich sein Heber aus ca. 12 m auf die Torlatte senkte und Darko Horvat kurz vor dem Pausentee fast überraschte.
In der ersten Viertelstunde der zweiten Hälfte schlug das Pendel deutlich zugunsten des Regionalligisten aus, der in dieser Phase auch das Spiel entschied. Zunächst köpfte Ronny Hebestreit (53.) eine präzise Flanke von Jan Benes unhaltbar zum 1:0 ins Tor, und schließlich vernaschte fünf Minuten später René Stark die gesamte Wolfener Abwehr, als er nahe der Strafraumgrenze zum 2:0 einschoss. Nach einigen zwischenzeitlichen Holperern in der HFC-Abwehr, Marco Hartmann (mit passabler Partie) und René Stark klärten jeweils auf der Torlinie, patzte der Ex-HFCer „Schorschi“ gegen Nico Kanitz (89.), so dass Maik Kunze die Eingabe des „Dicken“ nur noch über die Linie drücken musste. Dennoch ein großes Kompliment an die Hodul-Schützlinge, die sich in keiner Phase der Begegnung aufgaben und einen großen Anteil an den Spannungsmomenten der 90 Minuten hatten. Der HFC-Coach bemerkte, bescheiden wie fast immer: „Ich freue mich auf das sicherlich wieder interessante Finale gegen Magdeburg. In der ersten Halbzeit haben wir uns einlullen lassen, die zweite Hälfte verlief in etwa so, wie ich mir das vorgestellt hatte.“ Wolfens Sportdirektor René Tretschok kommentierte: „Unsere erste Hälfte war ordentlich. Am Ende war das Ergebnis aber okay“.
Ro-Heb | JS | Foto: Agentur ROWIS


VOR DEM SPIEL:
Entspannte Atmosphäre und flache Bälle der Manager
Natürlich spukte die unglückliche 0:2-Niederlage gegen Hannover 96 II vom vergangenen Wochenende nicht nur in den Köpfen der Spieler herum. Auch so mancher HFC-Fan fuhr mit einem mulmigen Gefühl in die ehemalige Filmstadt. Der Autor dieses Berichtes nahm sich da nicht aus. Zunächst empfing die Hallenser aber eine wohltuende Atmosphäre. Keine übertriebenen Sicherheitskontrollen und eine gedeckte Polizeipräsenz. Fröhliche Wolfener Fans (in Erwartung einer Pokalüberraschung) und ebenso entspannte HFC-Anhänger, die allerdings nicht, wie sonst üblich, unter der Haupttribüne (teilweise überdacht), sondern in zwei „freistehenden“ Blöcken hinter dem Tor und rechts daneben ihre „Zuweisung“ erhielten. Wie sollte diese Pokalbegegnung nun ausgehen? Im Vorjahr hatten unsere Rot-Weißen am Ende viel Glück, nachdem sie eine souveräne erste Halbzeit spielten und dann doch nur knapp mit 3:2 gewannen. Beide Manager hielten vor dem Spiel den Ball betont flach. René Tretschok (GW-Sportdirektor und Standby-Fußballer) beklagte die harten englischen Wochen vor dem Spiel und befürchtete am Ende einen Kräfteschwund seines Teams. HFC-Manager Ralph Kühne betonte in einem Interview der GW-Stadionzeitung: „Fußball ist kein Wunschkonzert. Ich rede nicht über einen Pokalsieg, solange das Halbfinale nicht gespielt ist. Das gebietet der Respekt vor dem Gegner.“ Das Aufstellungsformular hatte dann noch einige Fragen parat. Warum fehlen Pavel David und Christian Kamalla? HFC-Mannschaftsleiter Norbert Ciornei erklärte: „Pavel ist beim Duschen ausgerutscht und hat sich eine schmerzhafte Schnittwunde am Fuß zugezogen, die genäht werden musste und seinen heutigen Einsatz unmöglich machte“. Christian Kamalla signalisierte dem Trainer ebenfalls eine Fußverletzung und nahm deshalb nur auf der Bank Platz. Kurz vor dem Anpfiff ereilte die HFC-Fans noch eine positive Nachricht aus der halleschen Stadtratssitzung. Der Stadionneubau wurde am späten Nachmittag im ehrwürdigen Rathaus „durchgewunken“.
Auch die Wolfener hatten ein Novum zu bieten. Der Heimatverein von Daniel Weimann (ex-HFCer), die SG Reußen, war fast geschlossen im Stadion anwesend und präsentierte ein Banner: „Die SG Reußen grüßt Dawei“ (Daniel Weimann).


DIE 1. HALBZEIT:
Optische Überlegenheit des HFC | Das Spiel lebte nur von Standardsituationen | Wolfens Gohla traf kurz vor dem Halbzeitpfiff den Querbalken
Beide Mannschaft begannen ohne die sonst übliche Abtastphase. Dabei hatte der Regionalligist zunächst deutliche Vorteile und kam schon in der 3. Minute zu zwei Eckbällen in Folge, die aber keine Torgefahr schufen. Beide Abwehrreihen standen sicher und ließen den Ball nur bei Standardsituationen den eigenen Strafraum passieren. In der 17. Minute verfehlte ein Görke-Freistoß nur knapp das Wolfener Gehäuse. Auf der Gegenseite klärte Darko Horvat souverän einen 30 m-Freistoß von Mieth. Ab der 25. Minute versuchte der HFC, konsequenter das Spiel in seinem Sinne zu ordnen, ohne jedoch richtig Druck aufbauen zu können. Die Gastgeber blieben ganz cool und ließen nichts zu. Immer wieder stand Daniel Weimann im Mittelpunkt des Geschehens, weil er alle Standards ausführte und dies nicht ungefährlich, aber eben auch erfolglos. Zwei Eckbälle und ein Freistoß des Reußeners im grünen Trikot wurden eine sichere Beute der HFC-Abwehr. Die Wolfener konnten in der Schlussphase der ersten Hälfte das Spiel ausgeglichen gestalten und zwangen die Rot-Weißen zu harten Zweikämpfen im Mittelfeld, in deren Folge René Stark (40.) und Jan Benes (41.) jeweils eine gelbe Karte kassierten. Der HFC wirkte in dieser Phase fast hilflos und unkontrolliert. Viele Pässe aus dem Mittelfeld kamen nicht an, und auch in der Abwehr stellten sich Unstimmigkeiten ein. Ein Klassenunterschied war nicht mehr feststellbar. Kurz vor der Halbzeitpause sollte sich die „Kopflosigkeit“ und noch nicht vorhandene Frische der Hallenser gegen den giftig agierenden Oberligisten fast rächen. Michael Gohla drang völlig unbedrängt in den HFC-Strafraum ein und zog aus knapp 12 m kurz entschlossen ab. Ein teuflischer Ball. Darko Horvat wollte ihn schon hinter der Torauslinie holen, aber das Leder senkte sich und landete auf dem Querbalken – jetzt unerreichbar für „Beba“. Ein Raunen ging durch das Stadion, unterbrochen vom Halbzeitpfiff des souverän amtierenden Schiedsrichters Stefan Sauerzweig. Keine Frage: Das Spiel war völlig offen und eine 1:0-Halbzeitführung für den Fünftligisten wäre nicht unverdient gewesen. Für den HFC-Coach Sven Köhler stand eine tüchtige Halbzeitpredigt an, denn so konnte es nicht weiter gehen.


DIE 2. HALBZEIT:
Jetzt bei „Fritz-Walter-Wetter“ klar überlegen | Ronny Hebestreit, René Stark und Maik Kunze treffen zum 3:0-Sieg
„Wenn ihr so weiter spielt, dann werden wir das Finale nicht erreichen! Da müsst ihr schon weitaus mehr tun!“, könnte die Halbzeitansprache von Sven Köhler gelautet haben, überliefert ist es nicht. Was auch immer „Köhlei“ in der Kabine inszenierte, er traf seine Spieler ins Herz. Wie ausgewechselt kehrte die HFC-Elf auf den Rasen zurück. Mit dem einsetzenden Regen herrschte im schmucken Wolfener Jahnstadion nun „Fritz-Walter-Wetter“, und das tat den Chemikern wohl deutlich gut. In nur 13 Minuten entschied der Regionalligist die bis dahin ausgeglichene Pokalpaarung für sich. Zunächst nahm erst einmal HFC-Kapitän Nico Kanitz Maß. Aber zwei seiner Torschussversuche gingen weit über das Gehäuse und einer landete auf dem Tornetz. Nachfolgend strich ein Kopfball von Marco Hartmann nur knapp neben das Tor (51.). Gute, aber erfolglose Vorzeichen für die Hallenser. Ronny Hebestreit machte es dann besser. „Eine perfekte Flanke von Jan“, meinte der Ex-Erfurter nach dem Spiel, die ihn in eine gute Position brachte. Per Kopf erzielte „Hebe“ in der 53. Minute das nun überfällige 1:0. Nun war das Stadionrund fest in rot-weißer Hand: CHEMIE <–> HALLE, schallte es durch das „Schwalbennest“, sicherlich weit im Umkreis zu hören. Noch war es nicht genug, um die ständig bissig agierenden Grünen in die Schranken zu weisen. Dies wusste auch der Regionalligist und legte nach. René Stark wuselte sich durch die GWW-Abwehr und hämmerte das Leder, von jenseits der Strafraumgrenze, zum 2:0 in den Winkel (58.). Danach nahm sich der HFC eine unnötige Pause, die der Oberligist fast bestraft hätte, aber der souverän aufspielende Marco Hartmann klärte auf der Torlinie (63.). Der HFC konterte, und ein Mordsschuss von Nico Kanitz (stark formverbessert) strich nur knapp am Wolfener Tor (66.) vorbei. Wolfen ließ nicht locker und drängte auf das Anschlusstor. Hebsacker (73.) und Scherz (74.) – René Stark klärt auf der Torlinie – treffen aber nicht. Auch einen groben Fehler von Darko Horvat (79.) – unterläuft den Ball und fälscht ihn zur Ecke ab – können die Wolfener nicht nutzen. Aber der HFC bekommt in der Schlussphase die Partie wieder in den Griff und kontrolliert das Spiel. Nun liegt das 3:0 in der Luft, doch ein 18 m-Fernschuss von „Görks“ geht nur knapp über das von Norman Becker gehütete Wolfener Gehäuse. Schließlich gelingt den Hallensern doch noch der dritte Treffer, als die lebende „HFC-Legende“ Lars Georg, nach grobem Stellungsfehler, Nico Kanitz ziehen lassen muss und Maik Kunze (89.) nur einzuschieben brauchte. Kurz danach pfiff der Schiedsrichter ab. Die Fans feierten mit der Mannschaft und freuten sich mit ihr auf das Finale gegen den Erzrivalen 1. FC Magdeburg, der das andere Halbfinale bei Germania Halberstadt mit 3:1 für sich entschied.
Ro-Heb | JS | Fotos: Agentur ROWIS


STATISTIK: FC Grün-Weiß Wolfen - Hallescher FC 0:3 (0:0)
GWW (grün-grün): Becker – Markow (57. Zschiesche), Georg, Hebsacker, Mieth – Gohla, Rogoli (67. Sponer), Brendel, Weimann - Dragoun, Peska (67. Scherz). Trainer: Rastislav Hodul.
HFC (rot/weiß-rot): Horvat - Schubert, Lachheb, Hartmann, Benes - Re. Stark (84. Kittler), Finke, Görke, Kanitz – Hebestreit (77. Kunze) – Müller (69. Neubert). Trainer: Sven Köhler.
Tore: 0:1 Hebestreit (53., Vorarbeit Benes), 0:2 Re. Stark (58., Vorarbeit Kanitz), 0:3 Kunze (89., Vorarbeit Kanitz). Gelbe Karten: Weimann (80., Foulspiel) - Re. Stark (40., Foulspiel), Benes (41., Foulspiel). Schiedsrichter: Stefan Sauerzweig (Schönebeck). SRA: Felix-Benjamin Schwermer, Norbert Herzog.
Zuschauer: ca. 1.600 (darunter ca. 600 HFCer) im Jahnstadion in Wolfen.
Anmerkungen: Beim HFC fehlen neben den Langzeitverletzten Milan Janecek, David Bergner, Christian Beck, Benedikt Seipel sowie die kurzfristig verletzten Pavel David und Christian Kamalla. Auch Alexander Gröger (grippaler Infekt) gehörte nicht zum Aufgebot.
Statistik: JS | Ro-Heb | Foto: Agentur ROWIS


MDR-Fernsehbericht zum Spiel aus „Sport im Osten“ (0:55).