17.08.2008 - 1. Spieltag der DFB-Regionalliga NORD, Saison 2008/09:
Hertha BSC Berlin II - VfL Wolfsburg II 0:2 (0:2)
KSV Holstein Kiel - SV Wilhelmshaven 0:2 (0:2)
Hannover 96 II - 1. FC Magdeburg 0:2 (0:1)
SV Babelsberg 03 - VfB Lübeck 1:0 (1:0)
FC Oberneuland - FC Altona 93 2:1 (1:0)
F.C. Hansa Rostock II - Türkiyemspor Berlin 3:1 (1:0)
Hamburger SV II - VFC Plauen 1:1 (0:1)
Chemnitzer FC - FC Energie Cottbus II 1:1 (1:1)
Hallescher FC - FC Sachsen Leipzig 0:0 (0:0)
Starke Sicherheitsvorkehrungen beim Derby
Darko Horvat sicherte beim emotionslosen 0:0 einen Punkt
Als Schiedsrichter Felix Zwayer aus Berlin am heutigen Sonntag das 60. mitteldeutsche Derby zwischen unserem HFC und dem FC Sachsen Leipzig anpfiff, war vieles anders, als gewohnt. Zum einen stand die Premiere in der neuen DFB-Regionalliga auf dem Programm. Zum anderen hatte der Gastgeber - mit dankenswerter Unterstützung der Leutzscher - aufgrund der Ausschreitungen zum DFB-Pokalspiel gegen Hannover 96 die Sicherheitsvorkehrungen im und rund um das KWS nochmals drastisch verschärft und sich zusätzlich mit einer Selbstbeschränkung bei der Zuschauerkapazität für diese Begegnung belegt (allein der finanzielle Schaden daraus bewegt sich für den HFC im mittleren fünfstelligen Bereich). Die Karten für die lediglich geöffneten Bereiche HAUPTTRIBÜNE, BADKURVE (für HFC-Mitglieder und Dauerkartenbesitzer) und GÄSTEBLOCK waren ausschließlich im Vorverkauf erhältlich. Mit diesen Vorkehrungen wurden die Pufferzonen im KWS auf das größtmögliche Maß erweitert. Zudem öffneten keine Tageskassen, so dass eine Anreise ohne gültiges Ticket sinnlos war. Beide Vereine richteten im Vorfeld des Derbys mehrere Aufrufe an ihre Anhänger, auch bei diesem Spiel die eigentlich selbstverständliche Fairness walten zu lassen und auf friedlichem Wege zu klären, ob die „wahre Chemie“ nun rot-weiße oder grün-weiße Farben trägt.
In der ersten Halbzeit blieben echte Torchancen auf beiden Seiten Magelware, so dass es folgerichtig noch torlos unentschieden stand. Nach Wiederanpfiff hielt Darko Horvat in einem emotionslosen Derby den Punkt für die Gastgeber fest. Zuerst parierte er einen Foulelfmeter von Salvatore Rogoli (52., verursacht vom Philip Schubert), und auch einen tollen Direktschuss von Timo Breitkopf entschärfte er mit einer Glanzparade (63.). Auf Seiten der Gastgeber waren zwar die Bemühungen zu erkennen, letztendlich jedoch das Angriffsspiel kaum von Durchschlagskraft gekennzeichnet. Erst mit der Einwechslung von Pavel David kamen etwas Gefährlichkeit auf und die Hausherren zu einigen Möglichkeiten. In und rund um das KWS blieb es nach ersten Erkenntnissen ruhig. Beide Trainer waren am Ende mit der Punkteteilung zufrieden. Während Sachsen-Coach Dirk Heyne vor dem Elfmeter mit drei Punkten liebäugelte, hoffte sein HFC-Kollege Sven Köhler nach dem gehaltenen Foulelfmeter von Darko Horvat seinerseits auf einen Dreier, wofür seine Mannschaft die durchaus vorhandenen Chancen aber nicht konsequent genug nutzte.
JS | Ro-Heb | Foto: Sv-Heb
DIE 1. HALBZEIT:
Trotz Chancen auf beiden Seiten besaß das Spiel kaum Regionalliganiveau
Die nur knapp 2.000 Zuschauer zollten beiden Mannschaften beim Auflaufen reichlich Beifall und wollten damit kundtun, dass es eine faire Partie sowohl auf dem Platz, als auch auf den Rängen, werden sollte. Noch nie war der HFC in den bisherigen 59 Derbys so klarer Favorit, wie vor der heutigen Partie. Davon war aber in den ersten Minuten kaum etwas zu spüren. Nervosität, lasche Zweikampfführung und viele Fehlpässe charakterisierten die Auftaktphase der Rot-Weißen zum Regionalligaauftakt. Unerschrocken agierten die Sachsen, und schon nach 120 Sekunden zappelte das Leder im HFC-Gehäuse. Doch der Linienrichter hatte lange vor dem sehenswerten Torabschluss Salvatore Rogoli die Fahne oben. Das frühe, und für den HFC wohl tödliche, Tor wurde nicht gegeben. Eine erste Offensivaktion der Hallenser (4.) folgte nach einem Görke-Freistoß, den aber Thomas Neubert und Maik Kunze verpassten. Nachdem Christian Haufe (6.) und Danny Moses (7.), durchaus berechtigt, frühzeitig die gelbe Karte sahen, drohte den nun rustikal agierenden Sachsen ein Unterzahlspiel. Sachsen-Keeper Daniel Lippmann vereitelte dann eine weitere HFC-Chance (8.), als Adli Lachheb, nach einem weiten Görke-Freistoß, zum Kopfball kam. Das Spiel blieb insgesamt weiter unter dem erwarteten Niveau. In der 23. Minute verpasste Richard Baum die Führung der Leipziger. Der FCS-Kapitän setzte eine Haufe-Vorlage nur knapp neben das HFC-Tor. Auf der Gegenseite klärte Daniel Lippmann (25.) gegen Nico Kanitz. Zwischenzeitlich holte sich auch Timo Breitkopf die gelbe Karte ab, nachdem er Christian Kamalla nahe der Mittelinie überaus hart von den Füßen senste. Der HFC bemühte sich, ins Spiel zu kommen, aber Maik Kunze scheiterte nach tollem Kanitz-Pass in aussichtsreicher Position an Lippmann (28.). Insgesamt gingen bei den Rot-Weißen jedoch zu viele Zweikämpfe verloren, die Nervosität stieg. Kurz vor dem Halbzeitpfiff musste dann das 1:0 für den HFC fallen. Der unermüdlich rackernde Maik Kunze reagierte zu eigensinnig, als er den völlig frei postierten Thomas Neubert nicht bediente und den Ball in die Sachsen-Abwehr bugsierte. So blieb es in der bis dahin niveauarmen Partie beim torlosen Halbzeitstand.
DIE 2. HALBZEIT:
Sachsen verschießt einen Elfmeter. Danach nutzt der HFC seine Siegeschancen nicht!
Beide Mannschaften kamen unverändert aus den Kabinen. Die Gastgeber agierten von Beginn an aggressiver und hatten durch Maik Kunze (49.) auch die erste Möglichkeit nach dem Wiederanpfiff. Erneut blieb aber Daniel Lippmann Sieger und hielt den Kopfball sicher fest. In der 51. Minute drohte dann die Führung der Sachsen, weil Philip Schubert im Zweikampf gegen Christian Haufe einen Tick zu spät kam und den Ex-Eilenburger im Strafraum foulte. Schiedsrichter Felix Zwayer zeigte sofort auf den Punkt. Salvatore Rogoli (FCS-Neuzugang aus Neustrelitz) scheiterte aber an Darko Horvat, der die Ecke des Linksfüßers ahnte und den Ball parierte. Fußballexperten sind sich einig: Eine solche Situation stellt oftmals einen Kulminationspunkt dar und stärkt den Gegner. So schien es auch in dem bis dahin recht trostlosen mitteldeutschen Derby zu werden. Der HFC kam nun besser ins Spiel und blieb in den verbleibenden 40 Minuten die klar bessere Mannschaft, mit deutlich mehr Spielanteilen. Besonders die Einwechslung von Pavel David belebte das HFC-Angriffsspiel deutlich. Als Kevin Kittler einen Kopfball (58.) aus 5 m Entfernung nur knapp neben das Tor setzte, lag den HFC-Anhängern der Torschrei schon auf den Lippen. Dennoch blieben die Heyne-Schützlinge unbeeindruckt. Timo Breitkopf (63.) unterbrach mit einer starken Aktion die halleschen Hoffnungen und zwang Darko Horvat aus Nahdistanz zu einer Klasseparade. Die Rot-Weißen drückten weiter auf die Tube und zwangen die Gäste zu Fehlern. Dirk Heyne meinte nach dem Spiel: „Der HFC hat uns mit seinen langen hohen Bällen immer wieder in Verlegenheit gebracht, da wir nicht unbedingt die kopfballstärkste Abwehr haben.“ Zunächst stand aber Schiedsrichter Zwayer erst einmal in der Missgunst der halleschen Zuschauer, weil er ein klares Foul von Enrico Köckeritz an Pavel David (65.) im Strafraum übersah. Auch FCS-Coach Dirk Heyne meinte zu dieser Szene nach dem Spiel: „Da hätte der Schiedsrichter durchaus einen Elfmeter geben können. Allerdings war ich fast 100 m entfernt und konnte die Aktion nicht richtig wahrnehmen.“ Der Tscheche steckte nicht auf und war fortan weiter der HFC-Angriffsmotor. Eine temperierte Eingabe des Ex-Dresdeners (68.) nickte Ronny Hebestreit, am langen Pfosten stehend, neben das Tor. Schließlich traf auch Nico Kanitz (70.) aus 16 m Entfernung mit straffem Schuss nicht. Als dann der eingewechselte Mathias Polten (77.) Ronny Hebestreit im Strafraum regelwidrig von den Füßen holte, schien nun auch der Gastgeber die Chance für ein Tor per Strafstoß zu bekommen. Aber Schiedsrichter Zwayer überstimmte seinen Assistenten Daniel Siebert nicht, der die Fahne gehoben hatte und vorher eine, nicht nachvollziehbare, Aktion gegen den HFC sah. Sicherlich hatten beide Teams, in der insgesamt zwar teilweise spannenden, aber dennoch enttäuschenden Partie, die drei Punkte nicht verdient. Dies änderten auch Timo Breitkopf (84.) und der kurz zuvor eingewechselte Christian Beck (90.) nicht mehr.
Wer die letzten 12 Derbys beider Mannschaften in der NOFV-Oberliga mitverfolgen konnte, war von diesem Spiel einfach enttäuscht. Niemals gab es ein solches „Todesderby“ zwischen beiden Kontrahenten. So waren die Pfiffe von der Haupttribüne schon durchaus verständlich. Auch HFC-Präsident Dr. Michael Schädlich sah das nicht anders: „Es war einfach nur Rumpelfußball. Besonders in unserer Abwehr konnte ich, bis auf Darko Horvat, zuviel Schwächen erkennen“, meinte er nach dem Spiel. Sichtlich erleichtert war er aber über die Tatsache, dass es vor, während und nach der Begegnung keinerlei Ausschreitungen gab, was auch die Sicherheitsexperten des NOFV bestätigten. Fazit: Geben wir unseren Jungs eine gewisse Zeit der Findung, schon in Lübeck (erstes Auswärtsspiel) werden sie beweisen, dass sie in der Regionalliga angekommen sind.
Text: Ro-Heb | Fotos: Sv-Heb
STATISTIK: Hallescher FC - FC Sachsen Leipzig 0:0 (0:0)
HFC (rot/weiß-rot): Horvat - Benes, Lachheb, Kamalla, Schubert - Kunze (55. David), Görke, Kittler (77. Re. Stark), Kanitz (72. Beck) - Hebestreit - Neubert. Trainer: Sven Köhler.
FCS (grün/weiß-grün): Lippmann - Moritz, Hempel, Moses (73. Polten), Garbuschewski - Köckeritz, Rogoli (77. Heinze), Werner, Baum - Haufe, T. Breitkopf (88. Hönemann). Trainer: Dirk Heyne.
Tore: Fehlanzeige. Ecken: 5:5 (2:1). Freistöße: 25:17 (15:10). Abseits: 2:1 (0:0). Chancen: 5:3 (2:1). Gelbe Karten: Görke (32., Foulspiel), Schubert (51., Foulspiel), Kittler (60., Foulspiel), Beck (89., Reklamieren) - Haufe (6., Foulspiel), Moses (7., Foulspiel), T. Breitkopf (24., Foulspiel). Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin). SRA: Daniel Siebert, Sebastian Schmickartz.
Zuschauer: 1.792 (darunter genau 500 Gästefans) im Kurt-Wabbel-Stadion in Halle (Saale).
Äußere Bedingungen: ca. 24 Grad und leicht bewölkt, gut bespielbarer Rasen.
Anmerkung: Bei dieser Partie wurden aufgrund einer Selbstbeschränkung des HFC die Bereiche FANKURVE und GEGENTRIBÜNE des KWS nicht geöffnet. Der Bereich BADKURVE blieb ausschließlich Dauerkarteninhabern und Vereinsmitgliedern vorbehalten.
Statistik: JS | AT | Foto: Sv-Heb
AUS DER PRESSEKONFERENZ
Dirk Heyne (Cheftrainer des FC Sachsen Leipzig): „Ich denke, dass wir uns den Punkt hier in Halle nicht ermauert haben. Wir hatten sogar die Möglichkeit, in der 52. Minute, übrigens zu einem sehr guten Zeitpunkt für uns zu Beginn der zweiten Halbzeit, durch den, leider verschossenen, Elfmeter in Führung zu gehen. Danach hat der HFC sicherlich etwas Oberwasser bekommen. Sie spielten viele hohe Bälle, das war gefährlich, da wir nicht gerade eine kopfballstarke Mannschaft sind. Da hatte der HFC gute Möglichkeiten. Wir haben uns dann aber wieder gefangen und eigene gute Chancen erarbeitet. In der ersten Halbzeit gab es ein verteiltes Spiel. Später gerieten wir in der 2. Halbzeit etwas unter Druck. Eigentlich wird eine Mannschaft bestraft, wenn sie eine solche Chance, wie einen Elfmeter, nicht nutzt. Aber heute konnten wir dies verhindern. Ich denke, dass wir mit dem heutigen Punktgewinn sehr gut leben können. Es ist aber dennoch eine interessante Frage, was passiert wäre, wenn wir mit 1:0 in Führung gegangen wären.“
Sven Köhler (Cheftrainer des HFC): „Die Punkteteilung geht in Ordnung. Für meine Begriffe haben wir es in der ersten Halbzeit nicht geschafft, eine sehr disziplinierte Leipziger Mannschaft unter Druck zu setzen. Da hatte ich den Eindruck, dass wir ein wenig Angst vor der eigenen Courage hatten. In der zweiten Halbzeit haben wir versucht, druckvoller zu spielen. Natürlich hatten wir da das Glück, dass Darko den Elfmeter gehalten hat. Das haben wir heute auch gebraucht. Auf der anderen Seite glaube ich, dass wir uns trotzdem einige Chancen erarbeitet haben, die man durchaus einmal zu einem Tor hätte nutzen können. Aber aufgrund der Tatsache, dass Leipzig den Elfmeter verschossen hatte, geht die Punkteteilung durchaus in Ordnung.“
Foto: Agentur ROWIS
MDR-Fernsehbericht zum Spiel aus „Sport im Osten“ (12:20).
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