WOCHENSPIEGEL vom 21.03.2007 zum Thema "Stadionneubau in Halle"

Halle (sc). "Der Osten spielt auf" - unter diesem Titel beschrieb Autor Steffen Winter im April 2005 im "Spiegel" die Stadion-Neubau-Pläne nach Leipziger Vorbild von Dresden, Magdeburg und auch Halle. Heute spielt der Drittligist 1. FC Magdeburg bereits im neuen Stadion und Dresden avisiert den Baubeginn für Juni dieses Jahres an (trotz eingereichter Beschwerde eines bei der Ausschreibung unterlegenen Baukonzerns). In Halle schien das Konzept mit privaten Investoren beschlossene Sache zu sein - bis in der vergangenen Woche bekannt wurde, dass städtische Wünsche (und Möglichkeiten?) mit dem Investoren-Angebot keineswegs übereinstimmen. Mehr als die bisher pro Jahr für das Kurt-Wabbel-Stadion aufgewendeten 350 000 Euro sollen auch in Zukunft für die Betriebskosten eines neuen Stadions nicht bereitgestellt werden.
HFC-Wirtschaftsbeirats-Chef Wilfried Klose, der als VVg-Geschäftsführer beim Investoren-Verfahren mit beteiligt ist, meinte dazu gegenüber dem WOCHENSPIEGEL: "Ein neues Stadion ist unstrittig notwendig. Nicht nur in Hinsicht für den halleschen Fußball, der leider mit seinen schlechten Leistungen nicht gerade Argumente für ein neues Stadion liefert. Es geht ja auch um eine neue Ballspielhalle - denn die haben die in der 2. Bundesliga spielenden Frauen des SV Union Halle- Neustadt (Wildcats) bitter nötig. Aber so halbherzig wie es die Stadt jetzt mit den avisierten mageren Betriebskostenzuschüssen angeht, wird das bei einem solchen Vorhaben nichts! Ob man nach Leipzig, Magdeburg oder Dresden schaut - dort ist das Engagement der öffentlichen Hand notwendigerweise größer. Ich verstehe die Hallenser, die sagen: Was brauchen wir ein neues Stadion, wenn der HFC so schlecht spielt. Aber beim Stadionneubau geht es um eine Investition für 40 bis 50 Jahre und wenn wir das jetzt nicht anpacken, verbauen wir uns alle Chancen von vornherein, mal höherklassigen Fußball zu spielen."
HFC-Verwaltungsrats-Chef Michael Schädlich sieht zu einem Stadionneubau auch keine Alternative: "Für das Wabbel-Stadion wird Halle nie die Lizenz für eine höhere Klasse bekommen. Als Ökonom (Geschäftsführer des isw Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung Halle d. Red.) aber kann man auch folgendermaßen rechnen: wenn die Stadt auf vierzig Jahre pro Jahr 350 000 Euro gibt, dann sind das immerhin 14 Millionen Euro. Dazu die vom Land in Aussicht gestellten 5 Millionen - mit diesem Geld müsste doch etwas zu machen sein! Und wenn das mit auswärtigen Investoren nicht geht, dann müssen wir es eben aus eigener Kraft versuchen und schaffen! Ähnlich wie wir es beim Nachwuchszentrum - das sich sehen lassen kann! - am Sandanger gemacht haben. Als Ökonom werde ich dafür bezahlt, nach Lösungen von Problemen zu suchen, und wenn ein Weg nicht praktikabel scheint, dann muss man eben nach einem anderen suchen. Dazu gehört für mich auch, über andere Stadion-Standorte als den Hufeisensee nachzudenken."
Stadtsportbund-Chef Steffen Forker erklärte gegenüber dem WOCHENSPIEGEL: "Halle braucht bei 170 Sport-Vereinen in der Stadt jede neue Sportstätte dringend, also auch dieses neue Stadion. Schade, dass der Hallesche Fubßallclub derzeit mit seinen schlechten Leistungen nicht gerade für Druck dabei sorgt. Die Magdeburger Kicker legen da mit ihrer Drittklassigkeit ewas mehr vor. Schauen wir uns doch die halleschen Schwimmer an: die kraulen momentan ganz vorne mit und da bewegt sich jetzt in Sachen Neubau einer Schwimmhalle etwas. Dafür setzt sich sogar die Präsidentin des Deutschen Schwimmverbandes Christa Thiel persönlich ein."
Anika Steckbauer, Mannschaftskapitän der HFC-Frauenmannschaft, meint: "Halle braucht ein modernes Fußballstadion, aber es muss nicht unbedingt ein großes neues auf der grünen Wiese sein. Klein, aber fein könnte man das jetzige Kurt-Wabbel-Stadion von Grund auf sanieren, sozusagen an gleicher Stelle eine Wettkampfstätte errichten, die allen Anforderungen, die Fußballspieler und Zuschauer heute stellen, gerecht wird. Der Standort unseres Vereins hat Tradition und sollte nicht aufgegeben werden"
Ein neues Fußballstadion, weit weg, auf der grünen Wiese sozusagen - Maria Z. würde das Klasse finden. Es sei nicht immer ein Vergnügen, wenn die Magdeburger oder Leipziger Fans unter Riesen-Polizeiaufgebot unter ihrem Fenster vorbeiziehen, sagte sie dem WOCHENSPIEGEL, als der in Sachen Meinungsforschung unterwegs war.
"Für die Hungertruppe" wunderten sich Vater Peter und Uwe Sven M. und meinten den Halleschen FC, der ihrer Meinung auch in den kommenden Jahren von der 2. Bundesliga nur träumen kann. Ein bisschen einfallslos befanden die Beiden städtische Pläne, das Kurt-Wabbel-Stadion unsaniert oder teilweise rückgebaut als "Denkmal" stehen zu lassen oder das Gelände gar für den Wohnungsbau freizugeben. "Das Stadion gehört einfach zu Halle", meinte Vater Peter und Sven steuerte mit "Rockstadion" oder "Volksfestwiese" gleich ein paar Ideen für eine künftige Nutzung des Wabbel-Stadions bei.
Auch Christian Riedel will nicht so recht einsehen, warum das Fußballstadion nun aus der Stadt verbannt werden soll. Genau das habe doch den Reiz in Halle ausgemacht. Hauptsache, das neue Stadion bekommt auch ausreichend Parkplätze, meinte er. Bisher konnte er zu Fuß ins Stadion, künftig wäre das dann wohl nicht mehr machbar.
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