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08.11.2018

KLANGVOLLER NAME

Der Hallesche FC gastiert am Sonnabend beim TSV 1860 München, einem der klangvollsten Vereinsnamen der 3. Liga mit geballter Tradition. Ein Blick in die wechselhafte Historie der Löwen lohnt als Einstimmung auf die Begegnung.

Mit einem Jahr Verspätung ist der TSV 1860 München, („Sechziger“, „Löwen“, „1860“), gegründet am 17. Mai 1860, einer der Traditionsvereine des deutschen Fußballs, Mitglied der 3. Liga geworden. Nachdem der Verein im Vorjahr nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga keine Lizenz für die 3. Liga erhalten hatte, sondern sich in der Regionalliga Bayern wiederfand, gelang in diesem Sommer als Meister eben dieser Regionalliga in den Aufstiegsspielen gegen den 1. FC Saarbrücken (3:2, 2:2) der Aufstieg in die 3. Liga, in der die Löwen zweifellos ein Zuschauermagnet sind.
Nationale und europaweite Bekanntheit erlangte der bis dahin noch vor dem Erzrivalen FC Bayern München stärkste Verein Münchens vor allem in den 1960er Jahren, als die Löwen 1964 nicht nur den DFB-Pokal und 1966 die deutsche Meisterschaft gewannen, sondern 1965 auch bis ins Finale des Europapokals der Pokalsieger vordrangen, dort aber vor der Rekordkulisse von knapp 100.000 Zuschauern im Londoner Wembley-Stadion West Ham United mit 0:2 unterlagen. Zudem wurden die Löwen zweimal Vizemeister (1931 und 1967) und bereits auch Pokalsieger 1942. 1961 hatte Trainerlegende Max Merkel die Sechziger übernommen und sie rechtzeitig zur wichtigen Einführung der Bundesliga 1963 zur Meisterschaft in der Oberliga Süd geführt, wodurch sie sich für die neugegründete Bundesliga qualifizierten (im Gegensatz zum FC Bayern, der erst zwei Jahre später in die Bundesliga einzog). Gegen Ende der 1960er Jahre ging es jedoch kontinuierlich bergab und 1970 folgte der Abstieg in die Regionalliga. Gespielt haben sie seinerzeit (wie die Bayern) im Stadion an der Grünwalder Straße.  

Nach dramatischen Aufstiegsspielen gegen Arminia Bielefeld kehrte 1860 nach siebenjähriger Abstinenz 1977 die Bundesliga zurück. Es folgten Ab- und Wiederaufstiege. 1982 entzog der DFB dem Verein aufgrund finanzieller Probleme die Lizenz. Der damals junge Rudi Völler verließ daraufhin die Löwen zu Werder Bremen.

Nach dem Zwangsabstieg in die Bayernliga begann erst 1992 mit der Übernahme des Traineramts durch Werner Lorant der Durchmarsch zurück in die Bundesliga, Im Übrigen der erste direkte aus der Regionalliga (seinerzeit drittklassig) in die Bundesliga. Bis 2000 konnte sich 1860 stets steigern und erreichte neben einigen Teilnahmen am UI-Cup sowie dem UEFA-Pokal die Qualifikation zur Champions League durch einen 4. Platz in der Bundesliga. An die früheren Erfolge konnte 1860 aber nicht mehr anknüpfen. Schließlich wurde Werner Lorant im Oktober 2001 entlassen. 2004 stiegen die Löwen in die 2. Bundesliga ab. In den Jahren 2004 – 2011 spielten die Löwen teils um den Aufstieg mit, teils gegen den Abstieg. Im Jahre 2005 zogen sie wie der FC Bayern in die fertiggestellte Allianz-Arena um, an der sie zunächst beteiligt waren, dann aber ihre Anteile wegen wiederholter Finanzprobleme an den FC Bayern verkaufen mussten.   

2011, die Löwen steckten wieder einmal in enormen Finanzproblemen, stieg der jordanische Geschäftsmann Hasan Ismaik bei den Sechzigern ein. Ismaik`s Firma HAM International Limited mit Sitz in Dubai wurden 60 % der Anteile der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA (Ausgliederung der Profi-Fußballabteilung und der U21/U19) übertragen, die entsprechende Überweisung von 18,4 Mio. € rettete 1860 vor der Insolvenz. Um die 50+1-Regel einzuhalten, hält Ismaik allerdings nur 49 % der Stimmrechte. Zum Einstieg formulierte Ismaik seine Ziele: „Wir wollen die Sechziger stark machen, wir wollen keine finanziellen Löcher mehr, wir wollen innerhalb von drei Jahren in die erste Liga.“ Diesen vollmundig formulierten Zielen folgten drei Jahre im oberen Tabellendrittel, dann folgte der sportliche Niedergang, der 2017 nach den Relegationsspielen (1:1, 0:2) gegen Jahn Regensburg und Drittligalizenzverweigerung in der Regionalliga Bayern endete. Finanziell hatte sich 1860 mit teuren Spielerkadern wieder einmal überhoben. Auch die hohe Miete für die Nutzung der Allianz-Arena belastete. Zu Beginn der erfolgreichen Aufstiegs-Spielzeit 2017/18 zogen die Löwen daher nach Auflösung des Mietvertrages mit der Allianz-Arena wieder ins Stadion an der Grünwalder Straße um.

Das „Städtische Stadion an der Grünwalder Straße“ wurde 1911 errichtet und in den 1920ern ausgebaut. In seiner gegenwärtigen Form besteht es seit 2013. Im November 2017 hat der Sportausschuss des Stadtrats die Erweiterung des Grünwalder Stadions auf 15.000 Zuschauer beschlossen. Damit wurde die Westtribüne (hier wurde auch die manuelle Anzeigetafel aufgestellt, die heute noch genutzt wird) wieder vollständig nutzbar und sicherheitstechnische Anforderungen erfüllt. Auch der FC Bayern München II spielt in diesem Stadion.

Die Fluktuation war bei 1860 vor der Saison groß, zehn Spieler sind gekommen, zwölf haben den Verein verlassen. Neu dabei sind bekannte Namen wie Stefan Lex, Adriano Grimaldi und Quirin Moll, dazu einige herausragende Spieler der Regionalliga Bayern. Sehr gemischt ist die Mannschaft der Sechziger, weil sie einerseits Erfahrung mitbringt, andererseits schon im Sommer 2017 mit einigen Talenten aus der damaligen U21 ergänzt wurde, die den Sprung in die vorderste Reihe geschafft haben. Überragender Mann ist Neuzugang Adriano Grimaldi mit bereits 4 Toren und insgesamt 10 Scorerpunkten.

Derzeit ist 1860 Tabellenzehnter mit 18 Punkten. Die Heimbilanz der Sechziger ist im mit 15.000 Zuschauern immer ausverkauften Stadion an der Grünwalder Straße mit 11 Punkten aus 7 Spielen ordentlich. Der HFC hat in seiner Zweitligasaison 1991/92 viermal gegen 1860 gespielt. Es gab 3 Unentschieden, einmal gewann 1860, an der Grünwalder Straße.

Von: TD

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