09.04.09 - Sven Köhler im Interview
„Wir haben die zweitbeste Chance aufzusteigen.“
Peter Kortmann und Sven Köhler sorgen seit Saisonbeginn mit ihren Mannschaften für positive Schlagzeilen. In der heutigen MZ wurden beide gemeinsam interviewt. Die Anworten unseres Cheftrainers drucken wir für die Leser des CHEMIKERs online deshalb gern ab.
HALLE/MZ. Peter Kortmann führte die Basketballerinnen der Lions ins Halbfinale der deutschen Meisterschaft. Sven Köhler klopft mit den Fußballern des HFC an die Tür zur 3. Liga. Michael Pietsch und Karl Ebert luden das Duo zum Halleschen Trainergipfel ein.
Herr Köhler, Herr Kortmann, wie geht es eigentlich Ihren Zähnen?
Sven: Mittlerweile geht es wieder. Ich hatte Probleme mit einer Krone und wollte die behandeln lassen. Dann stellte der Zahnarzt fest, dass nicht die Krone, sondern die Wurzel das Problem war. Und schon wurde es ungemütlich.
Die Zahnschmerzen sind nicht die einzige Parallele zwischen Ihnen. Seit Monaten feiern Sie mit Ihren Team unerwartete Erfolge. Wieso?
Sven: Wir schwimmen seit einem Jahr auf einer Welle des Erfolges. Das erleichtert vieles. Die Portion Glück, die mein Kollege anspricht, gehört genauso dazu wie die harte tägliche Arbeit.
Sie haben die vorhandenen Möglichkeiten angesprochen. Die Kader sind klein, die Etats im unteren Bereich der Ligen angesiedelt. Dass trotzdem Erfolge da sind, wird gezielt Ihnen zugeschrieben. Sind Ihre Mannschaften Trainer-Teams?
Sven: Ich suche nach Möglichkeiten, wie ich die personelle oder spielerische Überlegenheit der Gegner mit unseren Mitteln kompensieren kann. Wir sind erfolgreich, weil wir eine starke Abwehr haben, die kaum mehr als ein Tor zulässt. Das können wir im Angriff ausgleichen. Kriegen wir drei Gegentore, werden wir verlieren, weil wir keine vier Tore schießen. ... Solche Punkte muss man als Trainer setzen. Wenn Jürgen Klinsmann das gleiche Pensum trainiert wie Ede Becker beim Karlsruher SC, dann muss Bayern trotzdem weiter vorn stehen, weil sie die besseren Spieler haben. Es gibt ja noch Mannschaften, die besser sind als wir. Wir sind eine mittelmäßige Regionalligamannschaft, die eine Saison über ihren Verhältnissen spielt.
Haben Sie schon Spiele der Mannschaft Ihres Kollegen gesehen?
Sven: Mir geht das genauso. Ich habe in Halle zwar eine Wohnung, aber mein Lebensmittelpunkt ist Chemnitz. Ich fahre so oft wie möglich zur Familie. Und wenn ich in Halle übernachte, dann erledige ich Vorbereitungen oder schaue mir Fußball-Übertragungen im Fernsehen an. Ich muss dazu nicht in die Kneipe gehen. Das wiederum findet meine Frau sehr gut.
Sportlich sind Sie beide in Halle angekommen. Auch privat?
Sven: Es bleibt nicht viel Zeit für Privates. Wir beide haben doch eine Sieben-Tage-Woche. Ich glaube, ich habe ab morgen zum ersten Mal in meiner gesamten Karriere als Spieler oder Trainer zu Ostern vier Tage am Stück frei. ... Nach der Geburt meines älteren Sohnes war ich der Letzte aus der Familie, der ihn zu Gesicht bekommen hat. Und als er eingeschult wurde, war ich über zwei Tage zu einem Auswärtsspiel.
Diese Einstellung zum Sport leben Sie auch Ihren Spielern vor. Registrieren die das?
Sven: Ich denke schon. Vor eineinhalb Jahren haben sich ein Trainer-Neuling und eine Ansammlung von gescheiterten Spieler-Existenzen zusammengefunden. Viele der Jungs waren bei keinem Verein richtig sesshaft geworden oder galten als Wandervögel. Jeder hat den HFC als neue Chance begriffen. Bis jetzt funktioniert das ganz gut.
Die Zweitliga-Handballerinnen tun sich schwer, Abgänge zu kompensieren. Angeblich will keine Spielerin nach Halle. Wie wirken Sie einer solchen Haltung entgegen?
Sven: Da kann man wenig machen. Als Spieler würde ich immer in die beste Liga gehen. Da ist die Stadt zweitrangig. Wenn ich bei Energie Cottbus spielen kann, unterschreibe ich keinen Vertrag bei Mainz 05. Wenn ein Spieler woanders das Dreifache verdienen kann, ist er weg.
Und Sie selbst?
Sven: Ich sehe meine Zukunft beim HFC. Ich hatte hier die Chance, als Trainer-Neuling erfolgreich einzusteigen und möchte das auch möglichst lange zurückzahlen.
Erreichen die Lions das Finale? Und steigt der HFC auf?
Sven: Wir haben vier Punkte Rückstand auf Tabellenführer Kiel und damit die zweitbeste Chance aufzusteigen.
JS | Ro-Heb | Foto: Agentur ROWIS
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